10/2014

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

Wie macht ihr das mit dem Oktoberfest?
 
Vor einigen Tagen fragte mich ein Freund aus Oderwitz: „Wie macht ihr Kemnitzer das eigentlich mit eurem Oktoberfest?“ Er erzählte mir von Bekannten, die immer ganz begeistert zu Hause davon erzählen würden.

Ich erzählte ihm von den kleinen Anfängen, die ich selbst nur vom Erzählen kenne. Wie die Idee geboren wurde. Wie sich alle Kemnitzer Vereine, dabei auch die Kirchgemeinde, zusammengesetzt hätten. Und dann ging es einfach los, partnerschaftlich, mit Enthusiasmus und dem inneren Antrieb, „mal was zu reißen“. Ich erzählte von der Erweiterung auf zwei Wochenenden, von der innigen Beziehung zwischen Matthias Reim und den Kemnitzern (und ihren Gästen). Beschrieb einige Prinzipien der Organisationsstruktur. Und verschwieg auch die Probleme nicht, die die Jahre, die Veränderungen und die erreichte Größe mit sich gebracht haben. Erzählte von Kommerzialisierung und diesem Zwang, immer größer, besser, attraktiver werden zu müssen. Und verschwieg auch jene nicht, die sich vom Oktoberfest (zumindest von der Vorbereitung und Durchführung) zurückgezogen haben, weil manche Ideen des Anfangs auf der Strecke geblieben sind.

Das Oktoberfest ist sicher eine Erfolgsgeschichte (und ich bin als Kemnitzer da durchaus stolz drauf). Bei genauem Hinsehen aber zeigt es auch eine gemischte Bilanz (wie das meiste, was nach außen hin glänzend und toll aussieht).

Wir als Gemeinde vor Ort, als Christen, sind an verschiedenen Stellen mit dabei. Am sichtbarsten sicher beim großen Zeltgottesdienst, dieses Jahr am 5.Oktober, 10.00 Uhr. Vielleicht schmeckt das nicht allen – ein Familienspiel- und Kindertobetag würde sicher auch ohne morgendlichen Gottesdienst sein Publikum anziehen. Gewiss, wir als Kirche profitieren vom Oktoberfest, nutzen die Infrastruktur und die Attraktivität.

Aber wir bringen auch etwas ein: Wir lassen sichtbar werden, dass Feiern nicht nur mit Bierseligkeit, Gelächter und vollen Kassen geht. Durch uns wird hörbar,  dass nicht nur die lauten Klänge das Leben bereichern, sondern gerade die Zwischentöne. Durch uns wird spürbar, dass unser Land, unser Dorf, unser Zusammenleben eine Seele braucht. Eine Seele, die noch anderes kennt und braucht als unsere eigene Feierstimmung.

Es ist gut, dass wir als Christen, als Kirche beim Oktoberfest dabei sind. Wir genießen es. Und wir werden gebraucht. Jesus hat einmal gesagt. „Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern genauso auch von den Worten die aus Gottes Mund zu ihm kommen.“ Unser Anteil am Oktoberfest ist es, diese Worte einzubringen, sie sichtbar, hörbar und spürbar zu machen.

Ein schönes Oktoberfest und einen „goldenen“ Oktober wünscht Ihnen Ihr Pfr. Thomas Markert