11/2014

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Der November ist ein grauer, trüber Monat? Finde ich gerade gar nicht, denn es gibt Feste, Gedenktage, noch Zu-Erledigendes… Da ist richtig was los! Keine Zeit für Trübsinn, mehr bunt als grau: Kirchweih, Konfi-Fahrt nach Wittenberg, Martinstag, Brotbacken mit Konfis, Candle-Light-Dinner, Taufe und Ewigkeitssonntag… und dazwischen der Buß- und Bettag. An einem Mittwoch. Wie immer. Manchen kommt das gelegen: da wird Sauerkraut gemacht oder die ersten Plätzchen gebacken. Viele nutzen den Tag, um bereits schon an Morgen zu denken.

Das ist nicht dran, meinen andere. Buß- und Bettage haben eine lange Tradition und von Anfang an einen öffentlichen Charakter. Ein ganzes Volk nimmt sich Zeit, über eigene Fehler nachzudenken. Das Wort „Buße“ meint im christlichen Verständnis nicht Strafe, sondern lässt sich besser mit „Umkehr“ übersetzen. Die Kirche leistet vor Gott Fürbitte für die Schuld der Gläubigen, sie macht öffentlich auf Fehlentwicklungen der Gesellschaft aufmerksam – und schließlich gibt der Tag dem Einzelnen Gelegenheit, vor Gott sein Gewissen zu prüfen.

Friedrich Schorlemmer, der Pfarrer und Bürgerrechtler aus Wittenberg, sagt, wir sollten innehalten in diesem „ImmersoweiterundimmersofortohnePauseundohnePunktundKomma“. Er fragt: „Was läuft falsch mit mir, mit uns, mit der Welt? Und wie sähe eine Umkehr aus, die aus Sackgassen hinausführt? Umkehren heißt ja nicht zurück-kehren, sondern aus Einsicht einen falschen Weg verlassen. Bußtag ist Bitttag: Was hat die Welt, was haben wir miteinander und was hat jeder selbst (bitter) nötig? Erhellende Erkenntnis und erfreuliche Aussicht gewinnen, nicht in Düsternis verharren. „Buße ist“, so Luther, „ein fröhliches Geschäft. Wer Buße tut, ist wie einer, der aus einem finsteren Loch in die Sonne springt.“

Genau! Der November ist nicht trist und grau, er kann sogar ganz klar und hell werden. Springen Sie mit – aus festgefahrenen Gleisen – in die Sonne!

Herzlichst grüßt Sie im Namen aller Mitarbeitenden Ihre Pfarrerin Dorothee Markert.