6/2014

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

Von lustigen Sprüchen und von ‚David gegen Goliath‘

Am 12. Juni geht es los. 24 Mannschaften aus sechs Kontinenten, packende Duelle, spannende Spiele, herrliche Tore – Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Für manche ein wahres Fest, auf das sie schon seit Monaten hin fiebern (Urlaubsplanung beachten, Spieltermine im Kalender, kulinarische Versorgung absichern…), für andere ein unverständlicher Medienrummel um infantile Jungs-Rituale („Warum ein Ball für 22 Leute? Gebt doch jedem seinen eigenen Ball…“).

Ich bekenne: Ich gehöre zu der ersten Gruppe. Ich werde die Spiele der deutschen Nationalmannschaft vor dem Bildschirm verfolgen und Jogi Löws Jungs die Daumen drücken.

Klar, ich bin für die deutsche Nationalmannschaft, so mit Fahne, deutscher Farb-Deko im Fernsehzimmer und schwarz-rot-goldenen Gummibärchen. Aber irgendwie bin ich doch auch für die Elfenbeinküste (Zum ersten Mal ein Weltmeister aus Afrika!). Oder Honduras würde ich den Titel auch gönnen (Wo liegt das überhaupt?). Ach und Griechenland könnte ruhig auch mal Weltmeister werden (Die hatten die letzen Jahre so wenig Grund zur Freude). Und ich gönne es Kolumbien (endlich mal Fußball und nicht Koka-Anbau als Thema). Ja, und die Schweiz (irgendwie sympathisch demokratisch) könnte ich mir auch mal gut als Weltmeister vorstellen. Oder…

Ich weiß, ich weiß, am Ende wird der Titel dann doch wieder zwischen Brasilien, Deutschland, Spanien, Argentinien und  Italien vergeben (die üblichen Verdächtigen; da sitzt halt das meiste Geld; und die WM ist sowieso nur eine riesengroße Kommerzveranstaltung; und Brasilien hat eigentlich ganz andere Probleme als eine Fußball-WM zu stemmen).

Aber man kann doch wenigstens dafür sein, dass es einmal anders kommt als alle erwarten. Man kann sich doch mit anderen mitfreuen, auch wenn man sonst nichts für Fußball übrig hat. Man kann sogar die Männer sympathisch finden, die sich ihrer Tränen einmal nicht schämen. Man kann sich anstecken lassen von der echten Freude und Begeisterung vieler Fans, und man kann seinen Spaß haben an vielen lustigen Fußballersprüchen (“Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer sagte: `Komm Stefan, zieh deine Sachen aus, jetzt geht´s los.”J)

Ob Gott Fußballfan ist? Gewiss ist er meistens mit sehr viel dringenderen Weltproblemen beschäftigt, und wenn ja, dann hält er vermutlich eher für Nigeria als für Deutschland. Ob Gott Fußballfan ist? Ich weiß es nicht  – aber ich könnte es mir zumindest ganz gut vorstellen. Deswegen: Halten wir IHM also ruhig auch einen Platz frei beim gemeinsamen (oder einsamen) Fußballgucken und auch in den Pausen.

Aufregend schöne Tage im Juni wünscht Ihnen Ihr Pfr. Thomas Markert