7/2014

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

Liebe Leserin, lieber Leser!
Der Satz eines befreundeten Pfarrers geht mir immer wieder durch den Kopf. Er sagte: „Wen Jesus in die Nachfolge ruft, den ruft er zugleich in die Gemeinschaft!“
Ich kann mich noch an meine erste Reaktion erinnern: „Nee, wenn mich Jesus in seine Nachfolge ruft, ist das zuerst ganz allein mein Ding.“ Aber das war eben nur die erste Reaktion, und ich glaube, sie ist vielen von uns ganz vertraut. Nicht allein, dass wir meinen, unser Glaube sei Privatangelegenheit – davon muss niemand anderes wissen. Es ist auch dieses: Gemeinschaft ist anstrengend. Da kann man sich nicht so gehen lassen, andere könnten einen beobachten. Man ist der Kritik anderer ausgesetzt und soll sich mit anderen Meinungen auseinandersetzen…. Da setzen wir uns lieber nicht mit dazu. Oder? Was ist denn dran an der Gemeinschaft? Wenn Jesus dazu einlädt, tut er es ja nicht ohne Grund. Er hat etwas erkannt, was auch mir immer öfter begegnet: Vereinsamung. Menschen sind allein gelassen, fühlen sich vergessen, nutzlos, ungeliebt… Max Rabe sang es – und viele lachten anfänglich über das Lied: „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich…“ – da wird eine bittere Wahrheit in schöne Töne verpackt. Der Buchtitel „Zusammen ist man weniger allein“ bringt es mit simplen Worten zum Ausdruck (dabei geht es in diesem Buch um eine nicht einfache Wohngemeinschaft). Zusammensein, miteinander reden, einander zuhören, gemeinsam lachen und weinen, tragen und ertragen, sich freuen und ärgern, aber auch necken und überraschen – Gemeinschaft ist eine spannende Herausforderung, aber auch eine Hängematte, ist Licht und Schatten, Ruhe und Wirbelwind. Jesus ruft in die Gemeinschaft; in die Gemeinschaft in seinem Sinne, in seinem Geiste. Da hat alles Platz, was ich gerade aufgezählt habe, und noch viel mehr, denn mir fällt ja längst nicht alles ein.
Gemeinschaft tut gut! Wir brauchen einander. Und auch Jesus will ja nicht ohne uns sein. Nehmen Sie die beginnenden Sommerferien einfach als von Gott geschenkte Gelegenheit, Gemeinschaft wieder zu pflegen – in der Familie, mit Freunden, mit der Gemeinde, mit Gott! Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen damit und Gottes Segen!
Im Namen aller Mitarbeitenden und der Kirchenvorstände grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Dorothee Markert.