5/2014

Stefanie Hirsch

Stefanie Hirsch

Liebe Leserinnen und Leser!

„Hier stehe ich!“ lautet das Thema des Landeskirchentages der Evangelischen Landeskirche Sachsens.

„Hier stehe ich … und kann nicht anders!“, sagte Luther bei einer Anhörung in Worms, bei der er sich zu dem Inhalt seiner Schriften bekannte, statt zu widerrufen. „Hier stehe ich!“ – „Wo stehe ich eigentlich?“ – Haben Sie sich das schon einmal gefragt? „Wo stehe ich?“ – in Beruf, Familie, Gemeinde, Öffentlichkeit …?  Oft ist das nicht einfach zu sagen. Als ich darüber nachdachte, fiel mir eine Geschichte ein:

Als der Maler endlich fort war, herrschte frohe Stimmung bei der Familie. Alle Zimmer waren renoviert. „Toll!“ urteilte Jürgen. Und sie überlegten, welche  Bilder passen würden. Ein Aquarell, gut! Aber der Spruch? „Nicht  den Spruch!“  rief Jürgen. „So ein frommer Spruch – das ist einfach nur peinlich!“ Was würde Mutter sagen? „Freilich, der alte Spruch passt nicht mehr.“ Mutter war prima!  „Eigentlich ist es  ein guter Vers –Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ – Mir hat er oft geholfen.“ Sie ging hinaus und bat Eckhard, ihn  im Flur  aufzuhängen. Das Seltsame aber war, dass der Platz, den der Spruch bekommen hatte, der zentralste Ort der Wohnung geworden zu sein schien. Sie hatten ihn sonst  nie so beachtet,  wie jetzt. Dennoch war Jürgen eines Tages froh, dass der Spruch nicht mehr in der Stube hing. In seine Klasse war ein neuer Schüler gekommen. Ein toller Kerl! Jürgen und Horst verband bald eine dicke Freundschaft. Eines Tages kam Horst  zu Besuch. Er ließ sich im Sessel nieder. Wenig später sprang er erschreckt auf und lief hinaus um sich die Schuhe zu säubern. Jürgen erschrak, als Horst auf den Spruch sah. Wie peinlich! Aber noch ehe er etwas sagen konnte, rief dieser: „Jürgen, da hängt doch mein Konfi-Spruch bei euch im Flur! Ist das etwa dein Spruch? Ich habe nie bemerkt, dass du auch Christ bist!“ Freude klang aus Horsts Worten,  Jürgen schämte sich seiner Feigheit. „So ist das nun“, meinte Horst, „da weiß man nicht, wie eng man zusammengehört, nur weil einer dem anderen nicht zu bekennen wagt, wo er steht.“ Jürgen schwieg.

Oft handeln wir, wie die Jugendlichen in der Geschichte. Wir sperren Gott aus unserem Leben aus, wollen unseren Weg ohne ihn gehen – und das nicht, weil wir nicht an ihn glauben, sondern weil wir nicht vor anderen bekennen wollen, wo wir stehen.

Weil wir am Sonntag lieber lange schlafen, statt in die Kirche zu gehen.

Weil es verlockender ist, den angesagten Film im Kino zu sehen, als in der Bibel zu lesen.

Weil es mehr Spaß macht, sich mit den Freunden zu treffen, als in Christenlehre oder JG zu gehen.

Weil andere das mit Kirche und Glauben vielleicht „uncool“ finden.

Kirche, Bibel, Gemeinde – manchmal schämen wir uns, Christ zu sein. So, wie Jürgen in der Geschichte.

Luther stand zu seiner Botschaft – und damit stand er auch zu seinem Gott und nahm dafür viele Unannehmlichkeiten in Kauf.

„Wo stehe ich?“ – es lohnt sich, darüber immer wieder einmal intensiv nachzudenken.

                                                           Im Namen aller Mitarbeitenden grüßt Sie Ihre Stefanie Hirsch