1/2015

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

(K)ein Neujahrsvorsatz!

Keine Woche mehr bis Silvester. Das neue Jahr ist mal wieder erstaunlich schnell herangerückt. Und damit mal wieder die Frage, was man sich denn so für das neue Jahr vornehmen könnte. Je älter man wird, umso abgeklärter – so scheint mir – ist der Umgang mit dieser alten Tradition: „Wird sowieso nix, nehm ich mir also gleich gar nix erst vor“. Zu dieser Kategorie gehöre ich auch.

Seit einigen Wochen geistert nun ein Buch durch unsere Wohnung: „Geschichten vom schönen Scheitern“ sind darin enthalten, zum Schreien komisch und mit großem Wiedererkennungseffekt. Wie man daran scheitern kann, das ungeliebte Weihnachtsgeschenk von Onkel Erwin aus dem vorvorletzen Jahr endlich mal wegzuwerfen. Oder wie man am Nein-Sagen scheitert, wenn man wieder mal gaaaaanz lieb um Hilfe gebeten wird oder zur soundsovielten Geburtstagsfeier einer Nenntante dritten Grades eingeladen wird, die „sich riesig freuen“ würde. Besonders schön – das Scheitern am Sport: Ab Januar fang ich wirklich an mit dem Joggen, muss was tun für die Figur und die Gesundheit. Zur Sicherheit noch eine komplette Funktionsausrüstung zu Weihnachten gewünscht. Dumm nur, dass ausgerechnet der Januar mit Eisglätte und Schneesturm beginnt. Und im Februar hat – zu blöd – eine langwierige Erkältung zugeschlagen, und im März kann man dann auch gleich richtig auf den Frühling warten, und im April….

Scheitern ist eigentlich doof, in einer Gesellschaft der Selbstoptimierung und der Dauerpräsenz der Schönen, Gesunden und Erfolgreichen auf allen Kanälen. Vielleicht wäre das mal ein guter Vorsatz zu Silvester: Ich möchte im neuen Jahr schöner scheitern. Mit Heiterkeit in Fettnäpfchen tappen, das ausufernde Bild im Spiegel mit Zärtlichkeit in den Blick nehmen, die pubertären Ausbrüche der eigenen Kinder als fairer Verlierer kommentieren. Gelassenheit mit den eigenen (und fremden) Unzulänglichkeiten ausprobieren. Der Psychologe Carl Rodgers schreibt: „Wenn ich mich so, wie ich bin, akzeptiere, dann ändere ich mich“. Und ein Beter in der Bibel schreibt: Die Güte des Herrn ist jeden Morgen neu. – Die Fehler und Versäumnisse von gestern zählen nicht mehr. Jeden Morgen das Leben wieder auf Anfang gestellt.

Der neue Tag, das neue Jahr – nicht für Aufbruch, Vorsätze und Disziplin, sondern für ein immer schöneres Scheitern. Wer schöner scheitern geübt hat, dem wird richtig was gelingen. Jetzt frage ich mich nur besorgt, was Sie von meiner merkwürdigen Idee wohl halten??

Im Namen aller Mitarbeitenden und der Kirchenvorstände wünsche ich Ihnen einen guten Weg (und viele schöne Schritte) durch das neue Jahr 2015 – Ihr Pfr. Thomas Markert.