2/2015

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

Herausforderungen durch die „Islamisierung“

Treffen sich ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer. Beginnt der eine aufgeregt das Gespräch: „Also, jetzt wo sich der Internationale Islam so im Vormarsch befindet…“, fällt ihm der andere ins Wort: „…könnten wir langsam mal etwas mehr für unsere ökumenische Zusammenarbeit tun.“

Die Angst vor einem Stärker werden des Islam, vor einer – wie auch immer man sich das vorstellt – Islamisierung Deutschlands, begegnet mir in diesen Tagen oft. In Gesprächen, Gemeindekreisen, in den Leserzuschriften an die Zeitung, natürlich bei den Demonstrationen. Und es gibt eine kleine Minderheit radialer Muslime, die alles tut, um diese Angst weiter zu schüren. Angst kann man nicht wegdiskutieren, nicht wegdemonstrieren, nicht wegerklären. Sie ist da, und sie wird nur kleiner werden durch Erfahrung. Die Erfahrung, dass sie ernst genommen wird und dass die Ursachen für diese Angst nicht so bedrohlich sind, wie befürchtet.

Wo stehen wir als Christen? Die kleine Szene oben zeigt mir eine Richtung. Ich möchte nicht gegen etwas sein, nicht gegen die Islamisierung oder gar gegen die Muslime oder gegen die Politik oder gegen die Lügenpresse. Ich möchte lieber für etwas sein, und dafür meine Kraft und meine Zeit und mein Leben in die Waagschale legen: Für ein achtsames Zusammenleben, für ein Aufeinander hören, für Meinungsfreiheit und zugleich für großen Respekt vor den religiösen Überzeugungen Anderer (solange sie die Werte, Gesetze  und Grundlagen unserer Gesellschaft anerkennen und akzeptieren), für die Schönheit des christlichen Glaubens. Nicht gegen die Flüchtlinge, die unberechtigt zu uns kommen, möchte ich mich zur Wehr setzen, sondern für die Flüchtlinge, die aus großer Not zu uns kommen, möchte ich offene Arme haben.

Die Rettung des Abendlandes, das es wohlgemerkt immer nur als Christliches Abendland gab, gelingt – so glaube ich – nicht als Bewegung gegen irgendetwas. Ich bin überzeugt, sie findet dort schon statt, wo wir uns für etwas investieren. Denn Gott selbst ist von Anfang ein Gott für das Leben. Und – Gott sei Dank – haben wir Christen irgendwann aus den mühsamen Zeiten unserer Kirchengeschichte gelernt, dass Gott auch ein Gott für die Ökumene ist. Und ich ahne, SEIN Fürsein reicht noch viel weiter.

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfr. Thomas Markert