12/2015

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

Überraschung

Auf meiner Wunschliste stehen: Ausschlafen können, Zeit für die Bücher der letzten Bescherung haben, in einer Sommerwiese liegen und den Wolken zusehen. Gibt‘s alles nicht mit Schleife. Was also soll ich meinem Mann auf die zunehmend drängende Frage nach meinen Wünschen antworten? Mache ich es ihm leicht und nenne ihm beiläufig wie eindeutig einen leicht zu erfüllenden Wunsch? Möchte ich, dass er sich wirklich Gedanken um mich macht und im Herzen erahnt, worüber ich mich freuen würde? Bleibe ich also verschwiegen und lasse eine hoffende Neugier durchblicken? Betone ich mehrfach, nein, ich brauche ja nichts, nun, vielleicht eine Kleinigkeit, der Stimmung wegen? So setze ich ihn natürlich noch mehr unter Druck.

Im letzten Jahr war ich weder entgegenkommend noch geheimnisvoll, sondern bat pragmatisch um Sparsamkeit. Und dann hat mein Mann es geschafft, mich sprachlos zu machen. Keine Ohrringe im Goldpapier, kein Verlegenheitsbuch, keine Dessous für die Schublade. Stattdessen ein unauffälliger Briefumschlag mit Behördenstempel. Die Försterin des Reviers Gelm auf Rügen lädt mich ein, sie zwei Tage lang bei ihren Aufgaben zu begleiten. „Bei jedem Waldspaziergang sagst du, die Arbeit der Förster würde dich wirklich interessieren.“  Darüber hat er tatsächlich nachgedacht. Und dann der Försterin geschrieben, um ihr von mir zu erzählen. Das kribbelt im Bauch und lacht im Herzen. Mein nächster Wunsch? Bitte überrasch mich wieder!“

– von Inken Christiansen – für Sie im Anderen Adventskalender aufgestöbert – und damit wünsche ich Ihnen auch im Namen aller Mitarbeitenden eine schöne und immer mal wieder überraschende Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr Pfarrer Thomas Markert