4/2015

Stefanie Hirsch

Stefanie Hirsch

Liebe Leserinnen und Leser

„Als Reaktion auf die Erschütterungen durch Luthers Reformation hatte Rom seit 1560 die Fastenregeln streng verschärft: kein Fleisch, kein Fisch, kein Ei. Gleichzeitig kamen die spanischen Nonnen des mexikanischen Klosters Guanaco auf die Idee, von dem eigenartigen einheimischen Gebräu Xocoatl das schaumige Fett abzuschöpfen und es mit Vanillezucker zu vermischen. Das war die Geburtsstunde der Trinkschokolade, und bald darauf fanden zur Fastenzeit in der neuen Welt regelrechte Süßwarenorgien statt. Das war den europäischen Bischöfen ein Dorn im Auge, und sie brachten das Problem 1569 vor Papst Pius V. Als man ihm ein Tässchen heiße Schokolade zum Probieren kredenzte, fand es seine Heiligkeit so grässlich, dass er verfügte: „Dieses Getränk bricht das Fasten nicht.“ So wurde ausgerechnet der strengste Inquisitor zum entscheidenden Wegbereiter eines beispiellos erfolgreichen Genussmittels – weil er persönlich Süßigkeiten hasste.“

Solche Geschichten von „Fastentricks“ werden oft mit einem vergnüglichen Augenzwinkern erzählt. Trotzdem steckt dahinter immer ein ernstes Anliegen: das Fasten.

Fasten Sie? Und wenn ja, was?

Es gibt unzählige Dinge, auf die man in der Fastenzeit verzichten kann: Lebensmittel, wie Fleisch, Süßigkeiten und Alkohol, aber auch Dinge, die etwas mit unseren Gewohnheiten zu tun haben, wie z.B. Fernsehen, Musik hören o.ä.

Aber warum tun wir das? Warum wird gefastet?

Das Fasten ist eine uralte kirchliche Tradition, die den Menschen helfen soll, den Kopf frei zu bekommen und den Blick auf das Wesentliche zu richten.

So kann mir ein Verzicht auf den Fernsehabend Zeit schenken für Gespräche mit anderen, oder Zeit für mich selbst  – für die Besinnung darauf, was mir im Leben wichtig ist.

Der Verzicht auf Fleisch oder Süßigkeiten kann mir die Augen dafür öffnen, was ich wirklich brauche zum Leben. (Damit meine ich jetzt nicht, dass man nach Ostern zum Vegetarier werden soll.) Aber der Verzicht auf etwas Liebgewordenes oder etwas, von dem wir meinen, dass wir das unbedingt brauchen, kann uns deutlich machen, wie gut es uns doch eigentlich geht.

Außerdem hat das Fasten noch einen weiteren, für mich sehr wichtigen, Hintergrund:

Der Verzicht in der Fasten- oder Passionszeit soll den Blick einmal ganz besonders auf Jesus Christus und seinen Leidensweg zum Kreuz lenken. Diesen Weg ist er für uns gegangen!

Aber mal ehrlich – wie schnell geht es, dass alles, was mit Bibel und Glauben zu tun hat im Stress des Alltags an den Rand gerückt wird?

Da ist es doch eigentlich ganz schön, wenn da eine Zeit im Jahr da ist, die uns Raum geben kann, uns auf all das wieder einmal ganz neu zu besinnen. Wir müssen sie nur nutzen!

Eine gute und entdeckungsreiche erfüllte Passions- und Fastenzeit wünscht Ihnen Gemeindepädagogin Stefanie Hirsch