5/2015

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

„Zu dir oder zu mir?“, so fragen oft Frischverliebte, zumindest in Filmen. Sie wollen noch ein bisschen zusammen sein, ein vertrautes Gespräch führen und vielleicht noch mehr… Natürlich schwingt auch Neugierde mit: Wie mag es bei der anderen aussehen? Ist die Wohnung von ihm auch interessant eingerichtet – so interessant, wie er erscheint? Das Interesse an dem anderen Menschen ist mit der Liebe füreinander auf alle Fälle erwacht. Und das Lebensumfeld gehört mit zur Persönlichkeit.

„Zu dir oder zu mir?“, die Frage stellt sich für mich im Blick auf unsere Kirchgemeinden. Wir wollen zusammen Gottesdienste feiern, Bibelabende erleben, gemeinsam singen, zu Kindersamstagen einladen und vielleicht noch mehr…. Dabei setzen wir Mitarbeitenden voraus, dass es „eine Liebe unter uns Menschen gibt“, aus der unser Interesse für das andere Gemeindeumfeld – das ja auch ein Lebensumfeld ist – erwächst. Doch leider habe ich, besonders während der Vakanzvertretung, gemerkt, dass das nicht überall und bei allen der Fall ist. Fehlt uns die Verliebtheit? Die Neugierde?

Seit ca. 15 Jahren sind wir Schwesternkirchen: Sohland – Kemnitz – Bernstadt – Schönau – Dittersbach. Und gerade Schönau-Dittersbach, der Doppelname zeigt es schon, sind seit dieser Zeit vereint, verheiratet sozusagen. Und doch wissen viele von uns nicht, wie es bei den anderen aussieht: wie die Kirche eingerichtet ist, wie angenehm es sich singen und reden lässt im Gemeinderaum, wo die Toiletten sind (auch das gehört dazu, oder?), wie schön mancher Hof, mancher Kirchenvorplatz gestaltet ist. Da gibt es so urige Ecken (in Schönau) oder einen herrlichen Nussbaum (in Sohland), viel Platz zum Austoben (in Kemnitz), eine wunderbare Wiese (in Bernstadt) oder das gemütliche Ambiente ums orange Pfarrhaus (in Dittersbach). Wussten Sie das? Zieht es Sie da nicht mal hin, zu schauen, wie die „Schwestern“ leben?

Ich habe in den letzten anderthalb Jahren so viel Schönes und Interessantes entdeckt! Auch jeder Kirche kann ich etwas abgewinnen: die Helligkeit, den segnenden Christus, eine erhabene Größe…. Zugegeben, es ist nicht alles jedermanns und jederfraus Geschmack, aber gucken und erleben und mitgestalten, weil man Interesse aneinander hat. Ein Interesse, das aus dem gemeinsamen Glauben entspringt.

Die Schönau-Dittersbacher werden es uns vormachen, wie es besser miteinander gehen kann. Sie werden im Wonnemonat Mai mit einer Gemeinde(Ehe-)Beratung beginnen. Denn: Wir gehören zusammen! Und da gehört für mich die Verliebtheitsfrage dazu: „Zu dir oder zu mir?“ Und wir sollten uns auf den gemeinsamen Weg zueinander machen. Mich hat es jedenfalls überrascht und beglückt.

Ich wünsche uns allen einen guten Weg. Er wird gesegnet sein! Im Namen aller Mitarbeitenden und unserer Kirchenvorstände grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Dorothee Markert.