10/2016

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Es klingt nach und hinterlässt bei mir eine innere Unruhe: Der Bayer-Konzern hat Monsanto übernommen. In den Nachrichten wurden die Zahlen der Gewinne und der Mitarbeitenden benannt. Summen, die ich mir nicht vorstellen kann. Dann stand ein Mann vor der Kamera und betonte, wie wichtig die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung ist. Die Technologien der Firmen müssten nun unbedingt in der Landwirtschaft umgesetzt werden. (Ich bin geneigt, ein Bla-Bla-Bla hinzuzufügen.)

In meinen Gedanken tauchen andere Begriffe auf: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung. Anfang der 80er Jahre kam in den Kirchen eine Bewegung auf, die angesichts von Luftverschmutzung und einer gnadenlosen Ausbeutung der Erde, eines Atomstreites zwischen den großen Mächten und einer zunehmenden Missachtung menschlicher Würde für etwas anderes einsetzte. Wo ist diese Bewegung hin? Durch die politische Wende änderte sich vieles. Vieles zum Guten für Umwelt und Frieden und Gerechtigkeit. Und es gab andere Herausforderungen, auch für die Kirchen.

Wir Christen (aller Konfessionen) mussten ebenso wie alle anderen zurechtkommen mit den massiven Veränderungen in unserer Gesellschaft. Arbeitsloseninitiativen wurden gegründet, Gebäude und ganze historische Innenstädte konnten endlich restauriert, „Mondlandschaften“ rekultiviert werden, in unseren Schulen gibt es seither Ethik- und Religionsunterricht. Wir freu(t)en uns über bunt gefüllte Gemüse- und Obststände, Joghurt mit leckeren Zutaten und Blumenläden, die auch im Winter schöne Schnittblumen im Angebot haben…

Die Bewegung „Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“ ist leiser geworden in unseren Gemeinden, aber sie war und ist (und bleibt wohl) aktuell. Faire Preise für die Milch, regionale Produkte und saisonales Obst und Gemüse sind und werden wichtig! Es ist unsere Verantwortung als Christinnen und Christen – sowohl auf dem Land als auch in der Stadt und sogar weltweit. Die Ernährungskonzerne kommen daher wie ein Gott, aber sie sind nicht Gott. Gott hat uns die Erde nicht zum Ausquetschen und Ausbeuten und (Gen-)Manipulieren gegeben, sondern damit wir sie verantwortungsvoll „bebauen und bewahren“, „pflegen und zu schützen“ (1. Buch Mose, 2. Kapitel). Das geht nur in einem guten und friedlichen Miteinander, wenn wir uns auf gleicher Augenhöhe begegnen. Es gilt, nichts abzuschieben in andere Hände – nach dem Motto, dass das „die da oben“ machen sollen. Wir sind selbst verantwortlich, dort wo wir leben! Es geht nicht um Gewinne, die mit Zahlen belegt werden können. Um die Konzerne kümmere ich mich nicht. Es geht um Gewinne auf ganz menschlichem Gebiet! Mir geht es um die Bauern und Gärtnerinnen, um die Handwerker und Dienstleisenden vor Ort. Dort beginnen Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und der Frieden. Wir können etwas bewegen!

Im Namen aller Mitarbeitenden grüßt Sie Ihre Dorothee Markert