2/2016

Pfarrer Jonathan HahnIrgendwas glaubt doch jeder

Neulich begegnete mir in einem Gespräch wieder dieser Satz, den ich in verschiedenen Varianten so oder so ähnlich schon öfter gehört habe: „Ach, Herr Pfarrer, glauben kann man doch auch ohne Kirche.“

Und das stimmt auch. Irgendetwas glaubt ja jeder Mensch. Manche glauben, dass es dieses Jahr noch einen richtigen Winter geben wird. Manche glauben an ihr Horoskop. Und manche glauben, dass man über Silvester und Neujahr keine Wäsche raushängen darf. Es stimmt also: glauben kann man auch ohne Kirche. Jedenfalls braucht man keine Kirche, wenn man irgendetwas glaubt.

Als Student bin ich gerne Sonntagvormittag statt in den Gottesdienst in die freie Natur hinausgegangen. Der Wald lag verträumt und still, und im Sonnenlicht ließ es sich dort gut liegen, besinnen…- und irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dort Gott zu spüren. Nichts gegen Naturerlebnisse. Aber ich bin im Rückblick ganz dankbar, dass es nicht bei einem „irgendetwas-Glaube“ blieb. Der hätte mir in den Folgejahren in der einen oder anderen Krise des Lebens wenig helfen können. Ein „Waldgott“ hätte mich da ziemlich im Stich gelassen. Dagegen war ich froh, Teil einer christlichen Gemeinde zu sein. Die lebendige Gemeinschaft tat gut; wir haben gemeinsam gebetet – das hat meine Seele gestärkt; wir haben gemeinsam in der Bibel gelesen – dadurch konnte meine Hoffnung wachsen; wir haben gemeinsam diskutiert – dadurch habe ich dazugelernt. Und wir haben gemeinsam Gottesdienst gefeiert – dadurch habe ich Kraft für den Alltag bekommen. Alles das ist — „Kirche“.

Ja, irgendetwas kann man auch ohne Kirche glauben. Aber christlich glauben ohne Kirche, ohne Teilnahme an seiner Gemeinde – das wird nicht gehen. Nimm ein Holzscheit aus dem Feuer – er wird ziemlich schnell verlöschen, so alleine, wie er dann ist. Lege es zurück in die Flammen zu den anderen Holzscheiten, und es wird wieder entflammen.  Herzlich grüßt Sie im Namen aller Mitarbeitenden Ihr Pfr. Jonathan Hahn