6/2016

Pfarrer Jonathan Hahn„Gesundheit ist das Wichtigste“

„Alles Gute zum Geburtstag, Gottes Segen und Gesundheit!“ Gerade noch kann ich diesen Glückwunsch bei einem Geburtstagsbesuch anbringen und aussprechen. Aber kaum habe ich den Satz zu Ende gesprochen, fällt schon das Geburtstagskind ein – und ich könnte jede Wette eingehen, welche Antwort er oder sie mir gibt. Meistens ist es der Satz: „Ja, Gesundheit, Herr Pfarrer, das ist das Wichtigste!“ Manchmal komme ich echt in Versuchung nachzufragen: „Was denn wäre, wenn die Gesundheit fehlt?“— Ist dann das Wichtigste weg aus dem Leben eines Menschen? Hat dann alles keinen Sinn mehr? „Gesundheit ist das Wichtigste.“ Dieser Satz ist ja schon fast so etwas wie ein Glaubensbekenntnis älterer Menschen. Klar, ich kann gut reden, ich bin soweit gesund. Und sicher, mit dem  Alter schätzt man einen gesunden Körper immer mehr. Ist Gesundheit trotzdem „das Wichtigste“? Gibt es nichts Wichtigeres? Ich nenne mal ein paar Beispiele: Dankbarkeit, liebe Menschen um einen herum, Gottes spürbare Gegenwart. Ich meine, das sind alles Dinge, die hat man auch dann noch, wenn die Gesundheit schon längst flöten gegangen ist. Das stärkt im Leiden und im Sterben. Die Gesundheit erscheint mir da eher als wackeliger Kandidat, auf den ich nicht zu viel setzen sollte. Und das führt mich zu dem Gedanken: Müsste dann eine gute Altersvorsorge nicht darin bestehen, dass man Dankbarkeit einübt für später? Dass man seinen Lieben mehr Aufmerksamkeit schenkt? — Dass man mal die Hände faltet zum Gebet? („Suchet mich, so werdet Ihr leben“. Altes Testament, Prophet Amos, Kapitel 5, Vers 4). Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfr. Jonathan Hahn