7/2016

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

„Ich bin dann mal weg“

„Ich bin dann mal weg.“ Vor wenigen Jahren landete dieses Buch von Hape Kerkeling auf Platz 1 der Bestsellerlisten und konnte sich dort mehrere Monate lang behaupten. Dieses Buch ist letztes Jahr mit David Striesow in der Hauptrolle verfilmt worden und liegt jetzt als DVD in den Läden.
Ich bin dann mal weg…. Der Komiker Hape Kerkeling beschreibt in dieser eigentlich gar nicht komischen, aber dafür sehr authentischen Geschichte seine Pilgerreise auf dem berühmten Jakobsweg durch Frankreich bis nach Santiago de Compostela in Nordspanien. Und er beschreibt diesen wochenlangen Fußmarsch am Ende auch als eine ganz unerwartete und zugleich einzigartig dichte und direkte Gotteserfahrung. „Du warst die ganze Zeit bei mir, Gott.“ Mit diesen gebetsartigen Worten endet das Buch.
Ich bin dann mal weg, dieser Titel könnte für viele auch über den kommenden Wochen stehen: Ich bin dann mal weg – an der Ostsee oder in Kroatien, in Bayern oder Schweden, bei der Oma oder den Kindern. Mal weg sein, zur Ruhe kommen, Abschalten, neue Impulse aufnehmen, eben einfach weg vom Alltag und neugierig auf das, was unterwegs dabei so zu finden und zu genießen ist.
Für Hape Kerkeling war seine Pilgerreise aber noch mehr als das: Es wurde zunehmend auch eine intensive Begegnung mit sich selbst, mit der eigenen Lebensgeschichte, dem eigenen So-Geworden-Sein mit seinen Glücks – und seinen Trauerzeiten. Denn wenn man so weg ist, ist man auch ungeschützt, ohne Ablenkung und Programm. Es kann dann auch eine Zeit sein, das eigene Leben und die vertrauten Beziehungen offen und ehrlich anzuschauen und sich den eigenen Ängsten und Sehnsüchten endlich zu stellen. Dann ist Wegsein nicht nur eine willkommene Abwechslung vom Alltag, sondern es kann auch ein Ort für Grenzerfahrungen sein und der Anfang für den Mut zur Veränderung. Einfach mal weg sein, als Zeit und Chance, das anzugehen, was man lange schon unbewältigt wie einen Rucksack mit sich trägt oder sogar schleppt. „Wegsein“ so oder so gefüllt und erlebt – ich wünsche Ihnen und wünsche es mir auch für mich selbst, dass wir ganz am Ende der Urlaubsreise oder der Reise in die eigene Geschichte glauben und sagen können: Ja, DU warst die ganze Zeit bei mir, Gott.
Einen behüteten und von Gott begleiteten Sommer wünscht Ihnen im Namen aller Mitarbeitenden Ihr Pfr. Thomas Markert