8/2016

Elke Schmorrde

Elke Schmorrde

Komm, reich mir deine Hand!

Fühlen, Schreiben, handwerklich tätig sein, Klavier spielen – ein Leben ohne Hände ist kaum vorstellbar. Zahlreiche Muskeln und Sehnen, 27 Knochen, drei Nerven und tausende Fühlkörperchen bilden das filigrane Gebilde einer Hand. Wenn wir einem Menschen zum Gruß die Hand reichen, erzählt sie uns ein Stück Lebensgeschichte des Menschen, der uns gegenübersteht. Musiker, Maler und Dichter beschäftigten sich mit den Händen und thematisierten sie in ihren Kunstwerken. Das Bild „die Betenden Hände“ von Albrecht Dürer ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Kunstwerke zu diesem Thema. Nachdem ich das Dürer-Haus in Nürnberg besucht, mich näher mit dem Künstler beschäftigt und die folgende Begebenheit gehört hatte, gewann dieses Bild für mich wesentlich an Bedeutung. Albrecht Dürers Vater war Goldschmied in einem Dorf bei Nürnberg. Er arbeitete hart, um seine Familie zu ernähren. Albrecht und sein Bruder Albert waren künstlerisch begabt und träumten von einer Ausbildung an der Akademie. Beiden Brüdern war bewusst, dass eine finanzielle Unterstützung durch ihr Elternhaus nicht möglich sein würde. Und so machten sie sich einen Plan: Um die Ausbildung seines Bruders an der Akademie finanziell zu unterstützen, sollte Albert in ein nahegelegenes Bergwerk arbeiten gehen. Nach Beendigung der Ausbildung sollten dann die Rollen getauscht werden. So wäre es für beide Brüder möglich gewesen, ein Studium an der Akademie zu absolvieren. Nachdem Albrecht seine Ausbildung beendet hatte, ging er zu seinem Bruder und wollte sein Versprechen einlösen. Doch seinem Bruder war es aufgrund der schweren Arbeit im Bergwerk kaum noch möglich eine Feder, geschweige denn einen Pinsel, in der Hand zu halten. Albrecht malte die geschundenen Hände seines Bruders und nannte das Bild „Hände“. Später wurden daraus „die Betenden Hände“. Albrecht Dürer erhielt einen Auftrag für ein großes Altarbild in einer Frankfurter Kirche, in das er seine Entwürfe von den „Betenden Händen“ einarbeitete. „Die betenden Hände“ gehörten nun einem Apostel jenes Altars, der betend der Himmelfahrt Marias beiwohnte. Diese Begebenheit zeigt mir, dass ich in meinem Leben immer wieder an  Grenzen stoße und niemals alles allein schaffen kann. Ich brauche Menschen, die mir ihre Hand reichen, die mich aufrichten und anstoßen. In anderen Situationen bin ich es, die ihre Hand anderen Menschen entgegenstreckt. Eines steht fest: Gott reicht uns seine Hand, wir dürfen sie jeden Tag neu ergreifen. Es grüßt Sie ganz herzlich Ihre Gemeindepädagogin Elke Schmorrde