3/2016

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Ich weiß nicht mehr: war es in Erfurt oder Weimar? In Ilmenau oder Kranichfeld? Wir waren als Familie ein paar Tage in Thüringen unterwegs und schauten uns eine Kirche an. Die Kinder trippelten lustlos durch den Gang. Sie hätten am liebsten Hascher gespielt zwischen den Kirchenbänken, aber das hatte ich ihnen deutlich verboten. Es gehört sich ja auch nicht. Und schließlich waren ja viele Leute in der Kirche, die doch Stille suchten und einfach in der Bank saßen. Und überhaupt: eine Kirche ist für mich – und für viele andere – ein besonderer Ort. Ich wollte mich sammeln, abschalten, beten, die Gegenwart Gottes spüren. Das ist nicht leicht mit Kindern. Ich verdrückte mich schließlich in eine halbdunkle Ecke, in der etliche Kerzen standen, schloss die Augen und wollte auch innerlich ankommen.

Doch in der Kirche wurde keine Ruhe. Füße scharrten über den Boden, Fotoapparate klickten, manche flüsterten miteinander, Geld wurde in Opferstöcke geworfen…. Ich öffnete genervt die Augen. Meine Familie saß still irgendwo. Sie waren also leise. Ich seufzte erleichtert.

Dann fiel mein Blick auf die Kerzen und das Kreuz darüber. Ein Kruzifix. Fast lebensgroß. Jesus Christus hing dort am Kreuz und hatte seinen Kopf geneigt. So, als blicke ER ganz zugewandt auf mich, die ich vor IHM saß. Unter seinen Füßen war eine Inschrift angebracht: „Bleibt in meiner Liebe.“

Ich merkte, wie ich innerlich rebellierte: Nein, das ist doch kein Liebe! Und ich wünschte mich weg von diesem Ort. Zugleich aber spürte ich tiefe Dankbarkeit: Ja, Jesus, so ist das mit der Liebe. Danke, dass DU das alles aushältst, wo ich schon längst fortgelaufen wäre.

Ich wollte meine Ruhe, aber ich hatte mich genervt und lieblos verhalten – meinen Kindern und gedanklich auch all den anderen Menschen gegenüber. Ich wollte allein sein, und vergaß dabei das Geschenk meiner Familie. Ich hatte nur an mich gedacht, Jesus aber wandte sich anderen zu – jetzt ja auch mir, wie ich da saß. Ich hörte und sah nichts anderes mehr – da waren nur Jesus und ich und diese Worte: „Bleibt in meiner Liebe.“ Wie leicht, wie schwer, wie gut sie klangen in mir. Ich schloss meine Augen und betete.

Eine Weile später legte sich sacht eine kleine Kinderhand auf meine Schulter: „Komm, Mama, wir gehen.“ Ja, das konnten wir.

Sehen Sie, den Namen des Ortes habe ich vergessen. Ist ja auch gar nicht schlimm. Die Worte aber, die blieben – und sie tauchen immer wieder mal auf, wenn ich zur Ruhe komme oder wenn ich genervt bin. So sagt es Jesus Christus: „Bleibt in meiner Liebe.“

Ich wünsche Ihnen stille Momente in der Passionszeit und ein dankbares Zugehen auf das Osterfest!

Ihre Pfarrerin Dorothee Markert