10/2017

Pfarrerin Dorothee Markert

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wenn wir etwas erneuern wollen, sollten wir es nicht zu sehr auf die lange Bank schieben. Allerdings kann manches auch nicht gleich sein. Doch zu langes Warten ist schlecht: Neulich rutschte wieder ein Ziegel von einem Nebengebäude. Gott sei Dank, es ist nichts Schlimmes passiert. Aber mir wurde wieder bewusst: da muss was repariert werden! Sonst kommt über den Winter die Nässe herein, dann wird das Holz faul und der Schaden wird viel größer…. Kürzlich beim Saubermachen sah ich es deutlich: die eine Zimmerdecke hat so einen feinen Schleier bekommen. Das kriegt man sonst gar nicht so mit. Dann wollte ich ein Bild umhängen…nun hängt es vorsichtshalber immer noch an der gleichen Stelle. Da muss neue Farbe her! Klar! Und das nicht erst, wenn Gäste ausbleiben. Renovieren ist auch Erneuern. Nicht heut und morgen, aber bald… Ganz anders ist das Erneuern bei einer alten Freundschaft: Als ich studierte, machte ich mit einer Freundin eine Radtour durch die für uns neuen Bundesländer. Das ist inzwischen 25 Jahre her (in Worten: fünfundzwanzig!!!. Wahnsinn!) Durch Beruf, Familie, Wohnortwechsel…haben wir uns aus den Augen verloren. Und bei einer Geburtstagsfeier einer ehemaligen Studentin kam das Gespräch auf sie: Hast du mal was von ihr gehört? Weißt du, was sie jetzt macht? … Ich suche im Internet. Ein paar Anhaltspunkte helfen mir. Sie wohnt inzwischen an der deutsch-französischen Grenze. Dann schreibe ich ein paar erste Zeilen. Was wird werden? Bald gibt es eine Antwort ihrerseits – und in ein paar Tagen werden wir uns in Görlitz treffen und unsere Freundschaft erneuern. Ich freue mich darauf. Bin auch aufgeregt. Aber froh, dass sich der Einsatz gelohnt hat. Alles Weitere wird sich zeigen. …

Erneuern ist ganz vielfältig. Es hat mit uns zu tun. Mit unserer Lebenssituation. Mit unserem (vielleicht einmal ganz anderen) Blick auf die Dinge, die uns alltäglich oder – wie im Falle meiner Freundschaft – verloren vorkommen. Erneuern heißt dann: Anpacken. In Gedanken, dann in Worten, schließlich wird alles in die Tat umgesetzt. Hinterher ist die Freude groß oder wir stoßen mit einem Glas Wein an oder wir haben wenigstens Klarheit. Etwas zu erneuern sollte nicht zu lange aufgeschoben werden, denn dann droht wirklich der Zerfall (der Scheune), eine Verwahrlosung (in der Wohnung) oder völliges Vergessen (wie bei meiner Freundschaft). Oktober ist für mich immer wieder ein Monat der Erneuerung. So soll es auch bleiben; das habe ich mir jetzt gerade vorgenommen! Auch im Blick auf Gott! Der Glaube soll mir nicht zerfallen oder verwahrlosen. Gott soll mir nicht vergessen sein. Es kann gelingen, indem ich schaue, was konkret erneuert werden kann: wieder Bibellesen, Zeiten der Stille, Gebet…. Renovieren. Neu beleben. Bewahren. Das ist „Erneuern“ – auf lateinisch: „Reformation“. Damit Leben lebenswert ist!

Im Namen aller Mitarbeitenden und der Kirchenvorstände grüßt Sie Ihre Dorothee Markert.