11/2017

Pfarrer Thomas Markert

Vor wenigen Tagen hat Katalonien für seine Unabhängigkeit von Spanien gestimmt. Wenn diese Ausgabe des Pließnitzkuriers erscheint, wird der dortige Konflikt vermutlich weiter und heftiger eskaliert sein.

Die Abstimmung über den Brexit in Großbritannien liegt gerade einmal ein Jahr zurück.

Die Wahlen in unserem Land haben sichtbar gemacht, dass auch in Deutschland viele Menschen wieder viel stärker als früher das Nationale betonen: eine Rückkehr zur D-Markt, Austrittsforderungen aus der Europäischen Union, bewachte und sichere Grenzen! Die Rückbesinnung auf Heimat, nationale Werte und Gefühle liegt im Trend.

Ich mag meine Heimat, und ich bin gern ein Deutscher. Ich liebe Bratwurst und bin auf vieles stolz, was Menschen unserer deutschen Kultur und Sprache geschaffen und geschafft haben.

Und doch spüre ich immer ein tiefes Unwohlsein, wenn diese nationale Karte gespielt wird und damit eine Abgrenzung gesucht und oft genug mit markanten Worten hergestellt wird.

Ich weiß: Was in Katalonien und in Großbritannien passiert, darauf habe ich keinen Einfluss. Und auch auf die Entwicklungen in unserem Land ist mein Einfluss verschwindend gering. Und trotzdem steht für mich eines fest:

Immer werde ich mich für ein Zusammenkommen einsetzen, nicht für Trennung.

Immer will ich mich um Verstehen bemühen und nicht nur lautstark auf meiner Meinung beharren.

Immer  will ich mich für ein Beieinanderbleiben einsetzen und nicht für eine Abgrenzung.

Gewiss, das ist politisch unbedeutend, allerhöchstens zu spüren für die Menschen, die mit mir im Alltag zu tun haben. Aber egal. Das steckt irgendwie ganz tief in mir drin. Und wenn ich nach den Gründen dafür suche, dann wird mir schnell deutlich: Das hat auf jeden Fall etwas mit meinem Glauben an Jesus Christus zu tun. Immer wieder entdecke ich in den Jesusgeschichten der Bibel diese Grundstruktur: Über das Nationale hinaus ein Zusammenkommen suchen;  über die Vorwürfe und den Buchstaben der Gesetze hinaus die Versöhnung suchen; über die eigenen Erfolge und das eigene Fortkommen hinaus das suchen, was dem Frieden (auch des Anderen dient). Es ist so etwas wie meine christliche DNA, sozusagen mein „Jesus-Gen“. Und ich bin froh, dass ich das habe. Egal, was in Katalonien passiert und egal, wie es nach den Wahlen in unserem Land weitergeht. Ich finde, unsere Zeit braucht mehr Menschen mit ebendiesem „Jesus-Gen“.

Kommen Sie behütet durch den trüben November – Ihr Pfr. Thomas Markert