5/2017

Pfarrerin Dorothee Markert

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Das Wort Gottes, die Bibel, ist Grundlage für unser Christsein. Damit wir nicht alles auf einmal lesen und behalten müssen, gibt es „kleine Portionen“. Die sind gut. Sie helfen. Tägliche „Einnahme“: die Losung aus Herrnhut. Jährlich begleitend: Die Jahreslosung. Darüber hinaus gibt es das lebensbegleitende Bibelwort als Taufspruch oder auch im Konfirmationsspruch. Verse fürs Miteinander-Sein gibt es zur Hochzeit.

Die Bibelverse regen dazu an, dass wir uns immer wieder mit ihnen auseinandersetzen, sie wie einen Bissen Brot selbstverständlich in uns aufzunehmen. Als Stärkung für den Alltag. Zubereitet. Häppchenweise. Eine Gesangbuchdichterin vergleicht das Wort Gottes sogar mit einer „Süßigkeit im Herzen“ (EG 67), die uns „schmecken“ soll. Bibelworte und Kulinarisches haben also miteinander zu tun. Freilich, manche Worte müssen wir erst „verdauen“, anderes geht „runter wie Öl“. Wir kennen solche Vergleiche.

So wundert es nicht, dass für den Monat Mai der Bibelvers ausgesucht wurde: Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. Mit Salz gewürzt? Wie soll das denn gehen? Freundliche Worte, ja, die kennen wir. Und ich setze mal so an: wir spüren, wenn Worte zwar freundlich, aber eben nicht echt-freundlich sind. Scheinheilig. Sch…freundlich. Sagen wir dann. Wir merken, es stimmt etwas nicht. Und diese Worte schmecken uns nicht. Sie kommen immer wieder hoch. Anders ist es, wenn es scharfe Auseinandersetzungen gibt. Worte brennen in der Seele – oder brennen sich schmerzhaft im Herzen ein. Worte verletzen. Sie verletzen uns wie ein scharfgeschliffenes Messer.

Hier aber, im Monatsspruch, heißt es, mit Salz gewürzt soll unser Reden sein. Wieder muss ich ans Essen denken. Wir reden ja täglich. Wir essen auch täglich. Und Salz ist da genau richtig zu dosieren. Fades Essen mag niemand, versalzenes auch nicht. Und beim Miteinander-Reden? Gehaltvoll sollen unsere Worte zueinander sein. Wir wollen davon leben können. „Mit Salz gewürzt“ bedeutet für mich „herzhaft“. Von Herzen kommend. Mit ganzem Herzen dabei. Es bedeutet mir auch, wirklich nach den richtigen Worten zu suchen oder miteinander zu ringen. Nicht einfach drauflos, sondern mit Bedacht zu sprechen.

Das kommt dem Salzen unserer täglichen Speisen wieder sehr nah. Damit geht unser Reden wirklich zu vergleichen, finde ich: im Miteinander suchen (wie bei manchen Rezepten), mit Gedanken und Herzen wirklich dabei-sein (sonst brennt womöglich etwas an), das Gegenüber nicht zuschütten (das versalzt schnell eine Beziehung) und das alles mit Wohlwollen und Freundlichkeit. Früher sagte man dann scherzhaft: Mit Liebe gekocht. So schmeckt es. So soll es sein, wenn wir miteinander reden. Ehrlich, freundlich und aus dem Herzen heraus.

Im Namen aller Mitarbeitenden und der Kirchenvorstände grüßt Sie Ihre Pfarrerin Dorothee Markert