3/2018

Pfarrer Jonathan Hahn

Liebe Leserinnen und Leser!

„Es ist vollbracht!“ Diese drei Worte sind laut Johannesevangelium das letzte, was Jesus am Kreuz noch sagen kann. Dann stirbt er. Erschöpft, ausgeblutet, erstickt. Dieser Kurzseufzer (oder war es ein Aufschrei?) klingt etwas lapidar. So etwas sagt man doch eigentlich, wenn man einen anstrengenden Tag hinter sich gebracht, das Bad endlich mal wieder gereinigt oder den Mathehefter zugeklappt hat. Aber sagt man so etwas, wenn man genau weiß, dass man den nächsten Tag nicht mehr erlebt?

„Es ist vollbracht!“ Laut Johannesevangelium ist das der letzte Satz des bedeutendsten Menschen, der je gelebt hat. Wenn man sein Leben als Ganzes sieht und seine Botschaft, dann ist dieser Ausruf eines nicht: ein Stoßseufzer, dass man es endlich alles hinter sich gebracht hat. „Vollbracht“ war nicht des Lebens Mühe und Arbeit, wie auf manchen Grabsteinen so oder so ähnlich zu lesen ist. Vollbracht hatte Jesus vielmehr, dass er – und Gott in ihm – die Liebe zu unserer Welt bis zuletzt durchhielt. Wie ignorant oder grausam Menschen mit der Botschaft Gottes auch umgingen: Lieber legte Gott die Sünden auf Jesus, als der Welt den Abschied zu geben. „Es ist vollbracht“ – Jesus hat durchgestanden, was eigentlich die um ihn herum hätten tragen müssen: die Soldaten, die ihn kreuzigten; die Jünger, die ihn alleine ließen; Pilatus, der ihn verurteilte; Judas, der ihn verriet. Ich, der ich jeden Tag an Jesus und an Gott und an meinen Nächsten (und an meinen Fernsten auch) wieder schuldig werde. Gottes Liebe hält selbst das Härteste durch. Gott scheitert nicht am Menschen. Seine Liebe behält das letzte Wort.

Herzlich grüßt euch/Sie im Namen aller MitarbeiterInnen Pfr. J. Hahn