4/2019

Pfarrer Thomas Markert

Was jetzt „dran“ ist

Bibelwochenabend in Kemnitz. Textabschnitte aus dem Philipperbrief. Geschrieben vom Apostel Paulus, im Jahr 55. Lange her und weit weg. Wirklich weit weg? Schnell sind wir im Gespräch. Diskutieren über eine kurze Zeile. „Tut alles ohne Murren und Zweifel“ steht da. Zustimmung wird formuliert. Mehr noch: eine Sehnsucht: Wie schön das wäre, ohne Zweifel leben zu können. Ohne Zweifel an der Tragfähigkeit des Glaubens. Ohne Zweifel, dass die Kinder einen guten Weg in die Zukunft finden …. Aber auch Widerspruch wird erhoben: Wo kommen wir da hin, wenn keiner mehr Zweifel äußert? Wenn keiner mehr widerspricht, alle nur nicken. Alles „ohne Murren und Zweifel“ tun, das klingt wie das politische Programm der DDR: Für dich wird gedacht und entschieden! Manche empfinden das heute ähnlich: Man ist stumm (gemacht). Gefühlte oder geforderte Alternativlosigkeit macht jeden Zweifel sofort zum Systemwiderspruch, führt zu Ausgrenzung. Wer murrt, statt dankbar zu sein, wird zum Störenfried.

Alles ohne Murren und Zweifel tun – was eigentlich? Oder besser: Wozu?

Paulus schreibt, dass wir – Achtung, alte Sprache! – „als Kinder Gottes als Lichter in der Welt scheinen sollen“. Und das finde ich, gelinde gesagt, großartig. Denn es holt uns – nun mit meinen Worten – raus aus der Opferrolle. Lässt uns nicht stehenbleiben bei manchmal sicher nötiger Kritik. Lässt uns nicht verharren im Unmut. Wir sind nicht nur „kleine Lichter“, die nichts tun können. Wir sind stattdessen „Licht für die Welt“. Wir sind verantwortlich und beauftragt. Auf uns kommt es an. Unser Beitrag ist entscheidend.

Und eben nicht nur unser Beitrag an Kritik und Widerspruch, sondern unser Beitrag an der Gestaltung des Zusammenlebens. Unser Beitrag für eine gerechtere Welt. Kleiner gehts nicht. Bleiben wir nicht stehen bei „Murren und Zweifel“. Lassen wir uns nicht lähmen von der allgemeinen schlechten Stimmung und den in Dauerschleife vorgetragenen Problemen und Missständen (wahlweise der heutigen Jugend, der Politik, der Kirche, der Diakonie…)

Nicht zum Überhören oder Verschweigen der Probleme sind wir aufgefordert. Als „Kinder Gottes“ sind wir jedoch begabt mit einer großen Freiheit, einem beherzten Mut, einer beharrlichen Ausdauer. Um jenseits der Zweifel den Glauben neu zu finden. Um nach dem Murren wieder beherzt und fröhlich anzupacken. Um hinter der um sich greifenden Dunkelheit immer ein großes Licht zu ahnen, zu sehen, darauf hin zu leben. Dieses Licht ist das Licht des Ostermorgens, das Fest der Auferstehung Jesu.

Deswegen feiern wir Ostern noch heute. Weil dieses Auf(er)stehen auch für uns „dran“ ist, noch heute!

Einen mutigen und beherzten Monat April ohne „Murren und Zweifel“ wüscht Ihnen Ihr Pfr. Thomas Markert