10/2010

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

Wieder ganz schön viel los bei uns
So höre ich es in diesen Tagen und Wochen immer mal wieder. Meist klingt dabei eine gute Portion Stolz mit: Was wir so alles bewegen und auf die Beine stellen: Dorffest, Traktorentreffen, Badewannenrennen, Gemeindefest, Großer Löschangriff, Oldtimershow, Jakobimarkt oder Schissn, Erntedank, Mühlentag, Oktoberfest … Manchmal klingt das „Ganz schön viel los bei uns“aber auch anders. Es geht mit einem leisen (und manchmal sogar lauten) Stöhnen einher und klingt dann eher nach Erschöpfung und Übersättigung: Zwischen Arbeit und Familienalltag noch all die kleinen und großen Feste mit auf die Reihe kriegen – vom Schulanfang gleich weiter zur (wievielten?) Geburtstagsparty; und nachdem das Reitturnier das ganze Wochenende in Anspruch genommen hat, wollen die Kinder unbedingt noch zum Altstadtfest; wir müssten eigentlich unbedingt auch mal zum Arbeitseinsatz für den neuen Spielplatz; und die Organisatoren vom Oktoberfest haben auch schon wieder angefragt, an welcher Stelle bei Auf-und Abbau und dem zweiwöchigen dichten Programm wir irgendwie mit Hand anlegen könnten, ja eigentlich sogar müssen, denn sonst ist eben nix los bei uns.
Ächz, wirklich ganz schön viel los bei uns. Aber, zwischendurch – was ist eigentlich grad so mit uns los? Manchmal wäre es gut, wenn uns das einer mal fragte: Was ist eigentlich grad mit dir los, mal abgesehen von all dem Trubel, dem Auf und Ab der Feste und Veranstaltungen, dem großen Hallo, dem vielen Smalltalk und der Dauermusik aus der Konserve? Wie läuft es eigentlich zu Hause, wenn nicht alles „wohlauf“ ist? Welche Sorge, welche Angst soll grad vom Dauergeräusch übertönt oder im Bierglas ertränkt werden? Was wäre eigentlich dran und gut für dich, wenn endlich mal nicht so viel los wäre? – Jesus sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr müde und ausgelaugt seid. Ich will euch die Last abnehmen“ (Matth.-Ev. 11,28). Ich höre das so: Für Jesus zählt nicht in erster Linie, was wir so alle auf die Beine stellen und was bei uns alles los ist. Er fragt nach, was mit uns los ist – wenn die Musik vorbei ist, wenn die Bierzelte abgebaut und die Imbissbuden wieder abgefahren sind. Und er will uns helfen, los zu kommen – von den bitteren Erinnerungen, von dem Groll der an uns nagt, vom Alkohol … Von diesem Anliegen Jesu geprägt möchte ich bei manchem Fest gern mit dabei sein. Nicht weil da wieder so viel los ist, sondern weil ich erlebt habe: „Die Last abnehmen“ beginnt damit, dass einer fragt, was im Moment gerade mit mir, mit dir, mit Ihnen los ist.
Ihr Pfr. Th. Markert