12/2010

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

Nichts ist so alt, wie die Nachricht von gestern! Nichts scheint mir allerdings auch so spannend wie eine Nachricht von vorgestern! Eine Nachricht, die mit der Rettung von 33 Bergleuten in Südamerika zu tun hat. Vielleicht ist es ja nur mir so gegangen, aber es gab da eine Information, die hat mich ins Grübeln gebracht. In 700 Meter Tiefe waren die Bergmänner eingeschlossen. Bei 36°C und einer extrem hohen Luftfeuchte. Zwei Löffel Thunfisch aller 48 Stunden und ein halbes Glas Milch war anfangs alles, was sie hatten. Und ihr Kontakt zur Außenwelt bestand aus einem Funktelefon. Erst später gelang es, eine Versorgung mit Nahrungs- und Arzneimitteln zu gewährleisten und einen Tagesrhythmus für die Kumpel zu entwickeln. Bewegend waren dann die Nachrichten, die den Familien überbracht wurden. Und eine Botschaft zog sich sinngemäß wie ein roter Faden durch viele dieser Nachrichten: Wenn ich überlebe, wenn ich gerettet werde – dann will ich Dich heiraten. Ich liebe Dich! Ich fand und finde diese Häufung auffällig. Und ich frage mich noch heute, was sich hinter ihr verbirgt. Gerade auch in Anbetracht der Tatsache, dass Leute verschiedensten Alters meinen, sie könnten auch ohne Trauschein gut zusammenleben. Und das scheint ja auch in Chile nicht anders zu sein. Doch diese Erfahrung der Kumpel hat irgendetwas ausgelöst, hat ihnen irgend-etwas bewusst gemacht. Etwas, was der Heirat bzw. Trauung mit der Freundin bzw. Lebensgefährtin einen völlig neuen Wert gegeben hat. Einen hohen Wert. Einen Wert, der allein mit Liebe und Verantwortung nicht zu erklären ist. Einen Wert, der irgendwie mit herzlicher Dankbarkeit für ein wunderbares Geschenk und einem tiefen Bekenntnis zueinander zu tun haben muss. Vielleicht verbirgt sich in diesem „irgendetwas“ ja auch die Antwort auf die Frage: Warum soll ich überhaupt heiraten? Warum soll ich mich trauen lassen? Wenn es denn so ist, dass diese beiden Dinge neben der Liebe und der Verantwortung eine so große Wirkung für eine Beziehung haben (können), dann wünsche ich uns allen immer wieder das Gefühl großer Dankbarkeit für das (immer wieder neu) Geschenkte und den Mut zum tiefen Bekenntnis zueinander: in der Partnerschaft, in der Familie, unter Freunden und auch in unserer Kirchgemeinde. Ihr Christoph Arnold, Pfarrer

Spruch für den Monat Dezember: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. (Mt. 3,2)