8/2010

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

Wer in diesen Tagen nach Bernstadt kommt, der kann hier und da Hinweisschilder entdecken auf denen eingeladen wird zum Pließnitztalfest vom 20.-22.08.2010. Das wird sicherlich ein feines Vergnügen im hoffentlich etwas „kühleren Tal“. Am selben Wochenende laden wir ein nach Kemnitz zum Kirchgemeindefest (21.08.). Mit Gottesdienst, Märchenstück und Spiel. Natürlich wird auch die kulinarische Seite nicht zu kurz kommen. Und fetzig wird es auch.
Größere Feste wie auch kleine Festl gehören zu unserem Leben dazu. Ohne dieselben würde uns einfach etwas fehlen. Und gerade in unserer Region, diesen Eindruck habe ich zumindest in den letzten Jahren gewonnen, hat sich eine besondere „Festkultur“ herausgebildet. Doch was ist das eigentlich – ein Fest? Die einen werden sagen: Das ist was zum feiern, eben etwas feierliches. Die anderen: Das ist eine besondere Zeit der Freude. Die dritten: Das ist der Ort, wo viele Leute zusammenkommen, wo es lustig zugeht. Die vierten: Das ist DIE Möglichkeit sich kostenlos zu betrinken. Die fünften: Das sind die Veranstaltungen, wo mich garantiert niemand sieht. Die sechsten: … Ursprünglich verstanden die Leute unter einem Fest oder auch einer Feier eine Zeit frei von alltäglichen und profanen Tätigkeiten. Der Unterschied wird allein darin erkannt, dass eine Feier besonders organisiert und gestaltet ist, während ein Fest eher locker-gesellig mit Musik, Tanz und Buffet daherkommt. Gemeinsam jedoch ist beiden, Fest und Feier, dass in ihnen ein besonderer Zeitraum für die Begegnung mit Gott gesehen worden ist. Eine Möglichkeit das eigene und auch das gemeinsame Leben zu strukturieren.
Dazu gehört neben den Festwochen und den Feiertagen auch der Feierabend. Manchmal denke ich, dass wir diese Trennung verloren haben – die Trennung von Heiligem und Profanem, die Trennung von Alltag und Festzeit. Ich meine, dass viele unserer Feste und Feiern alltäglich (ja auch gottlos) geworden sind und dass unser Alltag dafür vieles aufweist, was eigentlich dem Fest oder der Feier zu eigen ist. Dadurch macht sich einerseits eine Festmüdigkeit breit und andererseits verlieren die Feste ihre stärkende, ihre bewegende und ihre verbindende Kraft. Sie schaffen es kaum noch mit Gott und miteinander in Berührung zu bringen. Sie schaffen es kaum noch wirkliche Gemeinschaft zu stiften und echte andauernde Freude hervorzurufen. Das ist schade und ein großer Verlust für uns persönlich wie für unsere Gesellschaft. Deswegen wünsche ich uns, dass wir unsere Festkultur wieder ändern. Dass wir unseren Alltag wieder von den alltäglichen, profanen Feten befreien und dafür unsere Kraft und Energie und Phantasie bündeln für wenigere, und dafür stärkende und Gemeinschaft stiftende Feste – am Sonntag (Gottesdienst) ebenso wie zu Feiertagen (Pließnitztalfest, Kirchgemeindefest in Kemnitz und Kirchweihfest in Bernstadt). Lasst uns wieder bewusster und damit auch fröhlicher feiern. Ihr Pfarrer Christoph Arnold