10/2011

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

Zu Erntedank einen Schatz gehoben

(nach einer Andacht von Pfrn. Kerstin Schulte)
Meine Freundin bekam zu ihrem Geburtstag eine Schatzkiste geschenkt. Als sie sie öffnete, war sie erstaunt: Sie war leer. „Sie ist für Erinnerungen an Schönes gedacht, was Du erlebst, was Dich glücklich macht oder Dir gut tut. Oder für schöne Dinge, die Dein Leben bereichern“, sagte die Frau, die sie ihr geschenkt hatte. Meine Freundin füllte sie nach und nach: mit einem schönen Stein aus dem Urlaub, mit einem Buch, das ihr gut gefallen hatte. Sie legte ein Foto von ihrer Familie hinein, eine Eintrittskarte zu einem besonderen Konzert, einen Brief, der ihr viel bedeutete. Viele andere Dinge haben inzwischen in der Schatzkiste einen Platz gefunden. „Wenn ich einen schweren Tag hatte, dann schaue ich abends oft hinein“, sagt sie. „Die Erinnerung an das Gute, an die Schätze in meinem Leben, das gibt mir Kraft und macht mich oft fröhlicher.“ Mir gefällt diese Idee. Wie leicht verfliegen schöne Erlebnisse. Wie schnell gerät das Schöne, das wir erlebt haben, in einer schweren Zeit aus dem Blick. Wer sich dann erinnern kann: Es gibt nicht nur die harten Zeiten, nein, ich habe auch viel Gutes erlebt, der trägt einen Schatz in sich, den er heben und von dem er zehren kann. So eine Schatzkiste kann jeden daran erinnern, immer wieder. Wenn wir zum Erntedankfest unsere Kirchen festlich schmücken, dann ist das so ähnlich, als füllten wir eine Schatzkiste. Wir erinnern uns an das, was wir in diesem Jahr ernten konnten. Kartoffeln und Getreide, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Nüsse, Sonnenblumen, Mais. Viel Arbeit steckt darin. Und doch können wir nicht allein für eine gute Ernte sorgen. Gott hat seinen Segen in das Leben gegeben, damit wachsen konnte, was Menschen gesät haben. Er hat uns reich beschenkt. Und dafür danken wir ihm besonders in dieser Zeit. Mich an das Gute erinnern, dankbar dafür sein, das will ich immer wieder versuchen. Am Erntedankfest besonders, aber auch an den anderen Tagen meines Lebens. Es rückt schwere Zeiten in ein anderes Licht und gibt mir Kraft, sie zu überstehen. Es macht mich zufrieden, ja manchmal sogar glücklich. Und ich nehme die Welt anders wahr. So hebe ich den Schatz meines Lebens und zehre davon. Offene Sinne für das Gute und Schöne in diesen Tagen und in Ihrem Leben wünscht Ihnen
Ihr Pfr. Thomas Markert