11/2011

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

Liebe Leserinnen und Leser,
einen Kanon möchte ich mit Ihnen anstimmen: „Ausgang und Eingang, Anfang und Ende / liegen bei Dir, HERR, füll Du uns die Hände.“

Im Monat November liegen Ende und Anfang. Das Kirchenjahr geht zu Ende – und wir denken daran am Ewigkeitssonntag (oft Totensonntag genannt) – und das neue Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent. Und wenn der Ewigkeitssonntag davon geprägt ist, sich zu erinnern, das Jahr Revue passieren zu lassen und dankbar für alles zu werden, so öffnet der Advent gleichsam die Türen für das Neue und für den, der immer schon zu uns kommen will: Jesus Christus. Wie nahe doch beides beieinander liegt!
Das Ende des Kirchenjahres erinnert daran, dass unser Leben ein Ende hat. In unseren Gottesdiensten werden die Namen der Verstorbenen/Heimgerufenen vorgelesen und Kerzen angezündet. An diesem Wochenende gehen Menschen auf den Friedhof, um die Gräber ihrer Angehörigen mit Blumen und Lichtern zu schmücken. All das geschieht in der Gewissheit: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Texte und Lieder erzählen von Auferstehung und ewigem Leben: „Du kannst nicht tiefer fallen / als nur in Gottes Hand, / die er zum Heil uns allen / barmherzig ausgespannt“, schrieb Arno Pötzsch im Evangelischen Gesangbuch. Zum Ende des Kirchenjahres bleibt also nicht nur die Trauer, sondern die Hoffnung.
Und der, durch den wir auf das ewige Leben, das Leben bei Gott hoffen können, ist Jesus Christus. ER kommt zu uns! ER kommt uns entgegen! Auf IHN warten wir in der Adventszeit, den symbolischen vier Wochen mit dem heller werdenden Licht auf dem Adventskranz. Es tut mir gut, dass es nicht heißt: Nun leg den Hebel um und sei fröhlich, sondern der Weg von Trauer und Hoffnung-Finden ist ein langsamer Weg. Jesus Christus kommt nicht mit der Tür ins Haus gefallen, sondern lässt uns Zeit, dass wir unser Herz (unsere „Herzenstür“) für IHN öffnen.
Erinnerung, Trauer, Hoffnung, Neubeginn – all das liegt im November. Es ist also ein recht bewegter Monat, der vor uns liegt. Der Weg von den Grabeslichtern bis zu den Pfefferkuchen mag zwar in den Drogerie-Märkten ein kurzer sein, innerlich ist er jedoch viel länger. Lassen Sie sich Zeit – und nehmen Sie die beginnende Adventszeit als das, was sie ist: eine Warte- und Vorbereitungszeit auf Ankunft Gottes in unserem Alltag.
Im Namen aller Mitarbeitenden und der Kirchenvorstände grüße ich Sie herzlich.
Ihre Dorothee Markert