12/2011

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

„Bitte nicht schon wieder Stollen“
Liebe Leserinnen und Leser,
falls Sie im Dezember öfter als sonst unter Bauchweh leiden und über die Unmenge von Dominosteinen, Schokoladenweihnachtsmännern und Stollen klagen, dann erinnern Sie sich doch einfach wieder daran, dass der Advent eigentlich eine Fastenzeit ist. Die Geburt eines Kindes feiert man ja auch erst, wenn das Kind da ist und nicht schon fünf Wochen vorher. Vorher gilt es, alles vorzubereiten, sich zu konzentrieren, sich auf die kommende Veränderung einzustimmen. Dass der Advent eigentlich eine Fastenzeit ist, darauf weist an den Adventssonntagen noch heute die Farbe Lila in unseren Kirchen hin, eine Farbe, die für Umkehr und Innehalten steht. Die Martinsgans war das letzte üppige Essen, bevor in der Alten Kirche am 11. November das Fasten begann. Und viele unserer gehaltvollen Adventsgebäcke waren ursprünglich Fastenspeisen. So wurde der Christstollen zunächst nur aus Wasser, Rübenöl und Hafer geknetet. Butter und Milch gehörten nicht zum Speiseplan, genauso wenig wie Fleisch. Dabei ging es nicht um maximale Selbstopfer, sondern darum, wach und nüchtern zu sein, wenn Gott zu uns Menschen kommt.
Also Dominosteine und Stollen erst am Heilig Abend? Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf das erste große Stollenessen bei meiner Oma an den Weihnachtsfeiertagen. Vorher ist es einfach nicht so schön, da warte ich lieber. Vielleicht ist auch ein langsamerer Einstieg in die Adventszeit möglich. Kein Alkohol oder kein Fleisch von 1. bis zum 3. oder 4. Advent. Es geht nicht um das Erfinden von Regeln und Beschränkungen, sondern darum, nicht in der Flut der Weihnachtsäußerlichkeiten zu ertrinken, bevor wir das eigentliche Fest erreicht haben.
Vielleicht haben Sie für diese besondere Fastenzeit auch neue Ideen, die aufmerksamer und empfindsamer machen. Jeden Morgen – bevor die Eile des Tages beginnt – ein Weihnachtslied summen. Oder eines der vielstrophigen Lieder auswendig lernen – diese Lieder sind auf ganz andere Weise gehaltvoll als Pfeffernüsse und Butterplätzchen. Wer seinen Geist im Gleichgewicht hält, muss sich weniger mit Gewichtsproblemen herumschlagen.
Oder Sie suchen sich einige Bekannte aus, die in diesem Jahr eine ganz besondere – nichtessbare – Adventsüberraschung bekommen sollen, einen unerwarteten Gruß, eine eigenhändig gestaltete Karte, ein selbstgeschriebenes Gedicht.
Mal schauen, was Ihre Seele satt macht.
Eine erfüllte Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen im Namen aller MitarbeiterInnen und Kirchenvorstände Ihr Pfr. Thomas Markert