2/2011

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

„Auf den rechten Hund gekommen!“
Ein neues Jahr hat begonnen, vielleicht geschmückt mit guten Vorsätzen, vielleicht betrachtet mit viel Gelassenheit, vielleicht erhofft dank vieler feiner Aussichten. So manches von dem, was wir erfahren werden, was uns widerfährt, was uns in Fahrt bringt und was und gefährdet, ist uns noch verborgen. Manches können wir auch gar nicht beeinflussen und doch gibt es auch vieles, was wir mitbestimmen können. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir entscheiden, wem und welcher Sache wir unsere Stimme geben bzw. nicht geben. Wie sehr wir uns füreinander öffnen bzw. verschließen. Wie wir uns bewegen und einander begegnen, was wir tun und was wir lassen. Ein Stück weit gestalten wir damit auch die Welt, in der wir leben (wollen). Eine indische Geschichte gibt das sehr schön wieder: Es gibt in Indien den Tempel der tausend Spiegel. Er liegt hoch oben auf einem Berg und sein Anblick ist gewaltig. Eines Tages kommt ein Hund und erklimmt den Berg. Er steigt die Stufen des Tempels hinauf und betritt den Tempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal der tausend Spiegel kommt, sieht er tausend Hunde. Er bekommt Angst, sträubt das Nackenfell, klemmt den Schwanz zwischen die Beine, knurrt furchtbar und fletscht die Zähne. Und tausend Hunde sträuben das Nackenfell, klemmen die Schwänze zwischen die Beine, knurren furchtbar und fletschen die Zähne. Voller Panik rennt der Hund aus dem Tempel und glaubt von nun an, dass die ganze Welt aus knurrenden, gefährlichen und bedrohlichen Hunden besteht. Einige Zeit später kommt ein anderer Hund und erklimmt den Berg. Auch er steigt die Stufen hinauf und betritt den Tempel der tausend Spiegel. Als er in den Saal mit den tausend Spiegeln kommt, sieht auch er tausend andere Hunde. Er aber freut sich. Er wedelt mit dem Schwanz, springt fröhlich hin und her und fordert die Hunde zum Spielen auf. Dieser Hund verlässt den Tempel mit der Überzeugung, dass die ganze Welt aus netten, freundlichen Hunden besteht, die ihm wohlgesonnen sind.
Vielleicht braucht es gar nicht so viele gute Vorsätze für dieses Jahr. Möglicherweise tut es uns unseren Beziehungen einfach nur gut, ein wenig auf den bzw. nach dem zweiten Hund zu kommen! Das wäre schön – wow!
Ihr Pfarrer Christoph Arnold

Spruch für den Monat FebruarAuch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. (Röm. 8,21)