3/2011

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

„Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.“ Das könnte ein Motto für die Faschingstage sein. In unserer Gegend wird die „fünfte“ Jahreszeit ausgiebig gefeiert. Da wird mal richtig eins drauf gemacht, gezecht und mancher über den Durst getrunken. Da kann man mal die Sau rauslassen, sagen, was man sich sonst nicht traut, anderen Frauen unter den Rock gucken… ganz anders als sonst. Wer im Alltag ernst ist, lacht zur Faschingsveranstaltung. Wer sonst immer auf Etikette achtet, kann lauthals als Pirat aufkreuzen. Und manche stille Frau zeigt zum Fasching ein tiefes Dekolleté. Und das darf so sein! So ist die Fastnacht. Und dann? „Am Aschermittwoch ist alles vorbei!“. Vorbei die Maskerade, vorbei der oberflächliche Witz, vielleicht holt einen der Kater viel zu schnell in die Realität. Und dieser ins Auge zu blicken, ist nicht immer leicht. „Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.“ – wird dann das Motto für die folgenden sieben Wochen. Fastenzeit. Bis Ostern. Und es gibt viele, die auch das ausprobieren und sich der Frage stellen: Wer bin ich wirklich? Bin ich die freie Frau, der starke Mann, für die/für den ich mich immer halte? Oder gibt es so schrecklich Liebgewonnenes, auf das ich gar nicht mehr verzichten kann, selbst wenn ich wollte? Andrea startet immer mit einem großen Tippel Kaffee in den Tag – bis Ostern will sie es mal mit Tee probieren. Boris will auf seine Zigaretten verzichten. Das tat er schon oft, aber der Stress im Alltag brachte auch die Gewohnheit wieder mit. Also auf ein Neues, denn eigentlich kann er auch anders, ist er anders, frei… David raucht nicht und schnabbert auch keine Süßigkeiten, aber er sitzt oft vor dem PC. Die Fastenzeit will er zu sieben anderen Wochen machen, indem er täglich Briefe schreibt. So will er sich Zeit nehmen für Freundschaften und damit einen Grundstein legen für die weitere Zeit. Er ist gespannt, wer antwortet….
„Eigentlich bin ich ganz anders…und jetzt ist Zeit dazu!“ – die Fastenzeit ist unsere Chance, unsere Realität anzusehen: Bin ich wirklich, was ich darstelle? Oder habe ich immer noch eine Maske auf? Dann ist es Zeit, die Maskerade zu beenden – vor anderen und vor allem vor sich selbst. Ich wünsche Ihnen einen guten Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch und ein gesegnetes unverkrampftes Durchhalten wenn Sie so sind, wie Sie sind.
Ihre Pfarrerin Dorothee Markert.