9/2011

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

Liebe Lesende, in Seifhennersdorf entspinnt sich gerade ein ganz massiver Streit. Viele verfolgen ihn durchaus mit Interesse, denn was dort passiert, kann in jedem unserer Orte geschehen – nämlich, dass die örtliche Schule geschlossen wird. Dittersbach, Kiesdorf und Sohland a.R. können davon sogar schon ein „traurig Lied“ singen. Nach ursprünglich geglaubter „Rettung“ ist es nun auch in Seifhennersdorf soweit. Jetzt wird demonstriert und politisiert, geklagt und angeklagt, besetzt und auf die polizeiliche Hilfe gehofft. Vor allem Eltern kämpfen darum, dass ihre Kinder weiterhin in die Schule im Ort gehen können. Die Schule gehört in das Dorf. Kurze Wege und dafür mehr Freizeit sind das Ziel. Und das Lernen vor Ort mit denen, die sonst auch da sind – im Quartier, in der Nachbarschaft, auf dem Spielplatz, im Verein. Dafür lohnt es sich zu streiten und eine Schule zu erhalten. Das sind gute und stichhaltige Beweggründe. Ganz ähnlich verhält es sich doch auch mit unseren Kirchen, oder? Auch sie gehören in unsere Stadt, in unserer Dörfer. Auch um sie müssen wir kämpfen. Weil ihre Erhaltung Geld kostet – manchmal mehr als wir haben. Weil die Zahl unserer Gemeindeglieder langsam aber kontinuierlich abnimmt. Die Frage ist nur: warum sollen wir eigentlich um sie kämpfen? Weil sie so schön aussehen? Weil sie kulturhistorische Denkmale sind? Weil sie zu unserer persönlichen Lebensgeschichte dazugehören? Weil sie „schon immer“ da waren? Sicherlich sind dies alles gute Gründe. Doch reichen sie aus? Liegt nicht der eigentliche Sinn unserer Kirchen statt in ihrer Erinnerung bewirkenden Bewahrung darin, Menschen unter dem Wort Gottes zusammenzubringen. Ich meine, wir brauchen unsere Kirchen weniger als Schmuckstücke für unserer Dörfer und Dorffeste, sondern vielmehr als Orte der Begegnung, wo wir miteinander feiern und trauern uns erzählen und stärken (lassen) – im Angesicht Gottes. Und es ist schade, wenn wir sie dafür nicht nutzen. Ich möchte sie einladen zu kommen. Haben Sie den Mut, in der Woche manches wegfallen zu lassen, was sie verdichtet und das Wochenende zur allein möglichen Erholungszeit macht. Gewinnen Sie Zeit für den gemeinsamen Sonntagvormittag. Entdecken Sie, wie gut es sein kann, miteinander in die Kirche zu gehen – gerade, wenn man sich sonst die ganze Woche über nicht oder kaum sieht. Ich möchte Sie einladen zur Gemeinschaft – auch damit unsere Kirchen im Ort einen Sinn haben. Jesus Christus sagt uns: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Ich sage: Das stimmt! Doch ich sage auch: Wo zwanzig, dreißig oder auch hundert am Sonntagmorgen in Jesu Namen zum Gottesdienst kommen, da kommt Freude und Gemeinschaft auf. Und dann birgt es auch Sinn und dann macht es auch Freude für jede einzelne Kirche zu kämpfen.
Ihr Pfarrer Christoph Arnold