10/2012

Pfarrerin Anke Arnold

Pfarrerin Anke Arnold

Ernten macht reich, säen macht …
Wie würden Sie den Satz vollenden? Mühe oder auch – müde? Josef Pieper, von dem die obigen Worte stammen, schreibt: Ernten macht reich, säen macht glücklich.
Ein Satz, der mich zum Widerspruch reizt. Ist das etwa gerecht? Natürlich weiß ich, dass „man oder frau“ erst säen muss, um später zu ernten. Wie und wo bitte macht säen glücklich? Aussäen bedeutet doch immer auch Sorge um die Ernte. Wird die Saat reif? Wird sie gute Frucht bringen? Wird meine Arbeit nicht umsonst sein? Wir sprechen ja mit Recht in diesen Wochen vom Erntedank. Die Aussaat ist immer mit der Bitte ums Gelingen verbunden. Zuerst wird gesät und später wird geerntet. Ernten macht reich, säen macht glücklich. Die Wahrheit des Satzes liegt woanders. Fern von allem Ertragsdenken und doch eng mit unserem Leben verbunden. Wenn ich im Religionsunterricht oder in unserer Konfirmandengruppe davon erzähle, wie Gott mein Leben reich macht, dann bin ich – wie es Jesus schon in einer Geschichte beschrieben hat – ein Sämann. Ich weiß nicht, ob meine Worte angenommen werden, ob mir zugehört wird oder ob meine Erzählungen Frucht bringen. Dennoch bin ich in solchen Momenten ein glücklicher Mensch. Ebenso ergeht es Eltern. Obwohl sie so viel an Liebe in ihre Kinder „hineinsäen“, werden es auch viele andere sein, welche die Früchte dieser Liebe ernten. Und dennoch: Eltern sind glückliche Menschen, wenn sie ihre Liebe, ihre Erfahrungen und vielleicht ihren Glauben weitergeben können. Überhaupt: Säen macht glücklich, weil es uns gut tut, anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Ernten macht reich, säen macht glücklich. Die Worte wollen nicht unsere Freude und Dankbarkeit über das eingebrachte Getreide, all den Mais und die süßen Äpfel schmälern. Aber sie wollen unsere Augen für eine weitere Wirklichkeit öffnen: Die wesentlichen Dinge im Leben – Liebe, Freundschaft, Geborgenheit und auch unseren Glauben können wir nicht ernten, ohne sie immer wieder neu zu säen.
Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei! Ihre Pfarrerin Anke Arnold