2/2012

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

Denn das ist alles nur geklaut, das ist alles gar nicht meine, das ist alles nur geklaut, doch das weiß ich nur ganz alleine, … . Wer kennt sie nicht diese Liedzeile der Prinzen. Doch längst ist es nicht mehr nur so, dass es niemand wüßte. Viele wissen davon, dass geraubt wird und auch wo. Und so mancher Raub löst eine große Betroffenheit aus, ungläubiges Staunen. Es gibt nichts mehr, das so heilig ist, dass es nicht geraubt werden könnte. Welch eine schlechte Welt.
Doch halt – wer so denkt irrt leider. Denn schon in früheren Jahren sind im Zittauer Zipfel und im Oberland Kirchengemeinden beraubt worden. Und selbst in der Bibel wird uns vom Raub der Bundeslade berichtet – dem damals bedeutendsten heiligen Gegenstand für das Volk Israel.
Es gab demnach noch nie Dinge, die so heilig gewesen wären, dass sie niemand angetastet hätte.
Was für den einen unantastbar und unendlich wertvoll war und ist, muss es nicht auch für die andere sein. Das gilt übrigens für alle Güter – die seelischen wie die materiellen. Und deswegen wird es immer Leute geben, die rauben und klauen. Um Reichtümer anzuhäufen, um Aufträge auszuführen, um sich ein Begierde zu erfüllen, manchmal vielleicht auch nur um zu überleben, so wie die Kinder von Senj, die sich ihre täglichen Lebensmittel zusammenstehlen (so in dem Buch „Die rote Zora und ihre Bande“ nacherzählt). Vieles von dem, was geraubt wird ist ersetzbar – selbst 500 Jahre alte Kelche oder wunderbare Leuchter. Manches jedoch auch nicht: eine tiefe Gemeinschaft, die über Jahrzehnte gewachsen ist; eine große Liebe, die in schweren Zeiten geläutert worden ist; ein gelebter Glaube, der im Gebet gereift ist; eine tragfähige Hoffnung, die zum Leben ermutigt hat. Ein Dieb, der solches raubt, der nimmt nicht nur Werte mit, der nimmt den Tod des Bestohlenen in Kauf – den seelischen, u.U. gar auch den körperlichen. Drum achte jeder und jede darauf, dass er sich hüte, anderen zu nehmen, wessen sie bedürfen: ihrer Beziehungen, ihrer Liebe, ihres Vertrauens, ihrer Zuversicht. In der Bibel können wir diesbezüglich lesen: Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen. (1. Kor. 10,23f.) Was also unnütz ist für den Erhalt des eigenen Lebens, was zerstört und vernichtet, ja was gar dem oder der anderen schadet – körperlich oder auch seelisch, daslasst uns lieber bleiben lassen. Lasst uns vielmehr auf das achten, was dem anderen heilig ist, und dem nachspüren und das tun, was unserer Nächsten nützt und sie aufbaut – gleich ob in der Familie, der Schule, der Firma, der Nachbarschaft oder der Kirchgemeinde.
Ihr Pfarrer Christoph Arnold