12/2012

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

Als ich kürzlich meinen Kontoauszug in den Händen hielt, da gab es da neben vielen Lebensmitteleinkäufen und Tankrechnungen eine größere Anzahl von Versicherungsabbuchungen. Ein oder zweimal im Jahr häufen sich diese. Kennen Sie vielleicht auch. Es gibt so viele Versicherungen und doch lässt sich vieles nicht versichern. So gibt es zwar eine Lebensversicherung, aber keine Versicherung gegen den Tod. Soi gibt es zwar seit Kurzem eine Versicherung gegen steigende Heizkosten, aber keine Versicherung gegen Erfrieren. So gibt es zwar eine Hausratversicherung, aber keine gegen das Verhungern. Wir können uns nicht versichern gegen Einsamkeit, auch nicht gegen Lieblosigkeit oder gegen Krieg. Nein, das können wir nicht. Aber wir können etwas dagegen tun. Oder anders herum, wir können etwas tun dafür, dass andere satt werden und ein Dach über dem Kopf finden (Maria und Josef!!!), dass sie jemanden haben, der sie nicht allein sein lässt und Frieden wirken. Mich hat sehr beeindruckt wie in diesen Tagen ein junger Mann in Mali vor laufender Kamera bekannt hat, dass er sich zu einem Guerilla-Kämpfer ausbilden lassen will um dann im Norden seines Landes für jene zu kämpfen, die von Militärs gejagt, gefoltert, unterdrückt und geknechtet werden. Mich beeindruckt dabei weniger, dass er kämpfen möchte oder gar wie er kämpfen möchte. Ich halte Gewalt prinzipiell für kein gutes Mittel. Nein, mich hat beeindruckt, dass dieser junge Mann „volles Risiko“ geht. Er riskiert seinen „Kopf und Kragen“ für die Freiheit und das Leben anderer. Er setzt, wenn es sein muss, sogar sein Leben dafür ein. Da gibt es keine Versicherung auf die er wahrhaftig zurückgreifen könnte und auch wirkliche Hilfe. Nein er tut es einfach. Ob ich das könnte? Ich weiß es nicht – befürchte aber eher nicht. Könnten sie das? Könnten und würden Sie ihr Leben einsetzen für andere – damit jene frei sein können, damit jene im Frieden leben können, damit nicht mehr hungern und dürsten müssen, damit jene lernen und arbeiten können und es ihnen gut geht? Mit vollem Risiko – ohne Absicherung. Es sind vermutlich wenige, die das können – selbst wenn ich jene mitbedenke, die 1989 und zuvor auf den Straßen protestierten, bei aller Achtung für ihren Mut.
Einer der dies getan hat und der sein Leben einsetzt hat nein nicht für die anderen, sondern für uns, ist Jesus aus Nazareth. Er hat „Kopf und Kragen“ für uns riskiert, damit wir leben können, damit wir frei sein können und er hat uns Menschen begabt und beauftragt, für den Frieden in der Welt einzutreten und unsere Schöpfung zu bewahren. Gerade weil es für all diese Dinge keine Versicherung gibt, sind wir gerufen, für sie in dieser Welt einzutreten, um sie zu ringen und um sie zu kämpfen – mit unseren Worten, mit unseren Händen und Füßen, mit unseren Herzen, mit unserem „Kopf und Kragen“. Im Wissen um den anderen, der an unserer Seite steht und geht, vielleicht auch im Vertrauen auf den, dessen Advent (Ankommen) wir in den nächsten Wochen bedenken (und feiern).
Gottes Friede sei mit IHNEN! Ihr Pfarrer Christoph Arnold