4/2012

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

CaC2 – hinter dieser chemischen Formel verbirgt sich das – natürlich wissen es alle – Calciumcarbid. Diese kleinen farblosen Kristalle laufen in unserer Region jedes Jahr einmal zur Höchstform auf – und zwar in der Verbindung mit Wasser. In altgediente Milchkannen gesteckt, dienen sie dazu, in der Osternacht müde Pfarrersleute, aber nicht nur die, aus dem Bett zu jagen. Nachrangig. Denn eigentlich geht es bei diesem Brauch um die Vertreibung böser Geister – und er ist damit in der Nähe zuverorten von Halloween oder auch den Leuchtfeuern der Sommer- bzw. Wintersonnenwende. Der vielleicht größte böse Geist, den wir kennen, ist der Tod. Mal schleichend, mal überraschend und plötzlich, vermag er in unseren Alltag einzufallen. Das haben dieser Tage ganz besonders jene belgischen Familien erfahren, die ihre Kinder unversehrt aus dem Skiurlaub in der Schweiz zurückerwartet haben: fröhliche, ausgelassene Mädchen und Jungen. [So wie in den letzten Jahren unsere Konfirmanden, wenn wir mit ihnen aus Polen von der Korfirmandenrüstzeit heimkehrten]. Doch stattdessen wurde ihnen offeriert: ihr Kind ist schwer verletzt oder lebt gar nicht mehr. Was könnte es noch für einen größeren bösen Geist als diesen Tod geben? Einen Geist, der einem die Stimme raubt. Der zum Schweigen bringt. Allein – das Schweigen an sich kann auch etwas Gutes haben. Sterbebegleiter können uns viel vom Schweigen erzählen – vom miteinander Schweigen, vom zuhörenden Schweigen. Es ist offensichtlich: Auch wenn es sich manche wünschten, auch wenn manche so tun, als ließen sich die bösen Geister durch das Feiern von Festen verjagen – böse Geister lassen sich nicht durch Worte, Krach und Krawall vertreiben – auch nicht durch Calciumcarbid. Da hat das Schweigen schon eine andere Kraft. Und ich bin froh, dass es neben dem „lauten“ Brauch des Osterschießens auch noch einen leisen, stillen gibt – das Osterwasser holen. Es gibt der Stille mehr Raum. Der Ruhe am Morgen. Denn wer auch immer zur Quelle geht, um das frische Wasser zu holen, – es müssen ja nicht immer nur junge, hübsche Mädchen sein – ist angehalten, dieses schweigend zu tun (auch gerade gegen die neckenden Jungen). Erst auf dem Rückweg, in der radikalen Tarditon sogar erst wieder zu Hause, darf die Stille gebrochen werden. Wenn das österliche Lebenswasser, wohltuend die Kehle herabrinnt.
Das Schweigen ist wichtig und tut unseren Seelen gut – in den zu Ende gehenden Tagen der Passionzeit so und so, in den Tagen des Leides und der Trauer aber auch ganz speziell. Auch und gerade deswegen, weil, wer schweigt, nicht bei sich verbleiben muss, sondern sich von Gott zu einem neuem Leben führen lassen kann. Einem Leben in Heiterkeit und Fröhlichkeit, die ihren Grund in der Auferstehung Jesu von Toten am Ostermorgen hat. Salut! (auch ohne Böllerschuß) So bleibt mein Wunsch: Lasst uns die Stille suchen, auf daß wir eine tiefe Fröhlichkeit finden.
Ihr Pfarrer Christoph Arnold