5/2012

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

Auf welchen Namen wir hören
Es gibt zwei Arten von Namen, den Indianernamen und den Taufnamen. Den Indianernamen bekomme ich, wenn ich mich namhaft gemacht habe. Wenn ich also scharf spähen gelernt habe, nennt man mich Adlerauge. Wenn ich schnell laufen gelernt habe, nennt man mich Springender Hirsch. Der Indianername ist ein schöner Name, weil er die Stärken des Menschen ehrt. Aber wehe, wenn es nur ihn gibt! Wehe, wenn man nur erkannt wird, wenn man sich selbst kenntlich gemacht hat. Wehe, wenn man nur angesehen wird, wenn man sich selbst ansehnlich gemacht hat! In einer solchen Gesellschaft könnte man nicht Kind sein, nicht alter Mensch, nicht Kranker, nicht Behinderter und nicht Sterbender. Das Schönste, was uns das Christentum lehrt, ist die Überzeugung, dass wir nicht sind, weil wir uns verdient haben. Wir sind, weil wir schon vor aller eigenen Liebenswürdigkeit geliebt sind. Unser Name ist schon in die Hand Gottes geschrieben, ehe wir uns namhaft gemacht haben. Die Taufe ist der wundervolle Ausdruck und die heitere Inszenierung dieser Grundüberzeugung des Christentums. Ehe wir schön sind, findet uns jemand schön. Ehe wir uns den Indianernamen verdient haben, sind wir mit dem Namen der Liebe gerufen. [Fulbert Steffensky, Evangelischer Theologe in Hamburg]
Im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grüßt Sie Ihr Pfr. Thomas Markert