7/2012

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

Liebe Leserinnen und Leser!
Flucht ist kein Verbrechen! Menschen flüchten vor Hungersnot und weil sie ihrer Heimat beraubt werden und sich als „Spielbälle“ einer menschenfeindlichen Politik empfinden. Menschen flüchten, weil sie um ihr Leben fürchten – sei es aus politischen oder religiösen Gründen. Flüchtende suchen und brauchen Asyl: Staaten – also Menschen! – die sie aufnehmen! Flucht ist kein Verbrechen, sondern das ist ein Verbrechen, was die Flucht vieler (tausender) Menschen verursacht! Menschen flüchten nach Europa, kommen zu uns nach Deutschland. Wie empfangen wir sie? … Ich muss an die vielen Geschichten denken, die mir vertraute Menschen erzählt haben – aus Vorpommern, aus Schlesien, aus Litauen, aus dem Sudetenland. Sie mussten im Jahre 1945 aufgenommen werden, hatten alles verloren und fingen wieder „bei Null“ an, etliche wurden misstrauisch beobachtet und behandelt. Dabei waren es Menschen aus dem eigenen Volk, die nicht um Asyl baten. Auch Jesus Christus war ein Flüchtling. Seine Eltern flüchteten mit ihm ins Ausland, weil unter der damaligen Herrschaft kein Leben möglich gewesen wäre (nachzulesen im Matthäusevangelium Kapitel 2). Später kehrt die Familie aus dem Asyl zurück. Flüchten können ist wichtig (und braucht viel Mut)! Asyl bedeutet Leben! Jüdische Wissenschaftler und Künstler bekamen Asyl während des Rassenwahns durch Adolf Hitler. Gut, dass sie überleben konnten. Einfach war es für sie nicht! Die andere Sprache und die anderen Lebensgewohnheiten, aber vor allem auch die Ungewissheit über das, was kommt, machte ihnen allen zu schaffen. Und nun: PRO ASYL kämpft gegen die Inhaftierung schutzsuchender Menschen! Wir sind gefragt: Lassen wir zu, dass Asylsuchende (Frauen, Männer und Kinder!) einfach weggeschlossen werden – oder haben wir nicht einen Auftrag zu erfüllen? „Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben, denn auf diese Weise haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen!“, so steht es für uns im Neuen Testament. (Wer sagt denn, dass Engel immer weiß sein müssen?) Aber auch im Ersten Testament ist immer wieder die Rede davon, dass „Fremde“, die gerade im Land wohnen, gut und ebenbürtig zu behandeln sind. Sie werden sogar in die Sabbatruhe eingebunden (siehe 2. Mose 20, 8-10). PRO ASYL will, dass Einzelfälle geprüft werden. Die Organisation kämpft für ein uraltes und sogar biblisches Recht: das Recht auf Flucht! Flucht ist kein Verbrechen! Mit einem „Schlüssel nach Brüssel“ laden sie uns ein, uns für die Flüchtlinge einzusetzen! Ich finde das gut. Jesus hätte es auch gewollt. Im Juli werden Karten zu der Aktion in unseren Gottesdiensten ausliegen. Da wird das Mittun erleichtert – und einen alten Schlüssel finden Sie sicher allemal! Schließen wir also auf – die Grenzen und unsere Herzen – für Menschen in Not!
Im Namen aller Mitarbeitenden grüßt Sie herzlich Ihre Dorothee Markert.