8/2012

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

Es gibt ein altes Spiel, bei dem rupft ein Büblein, ein Mägdlein würde so etwas ja nie tun, einem Gänseblümchen die Blütenblätter aus und sagt dabei. Sie liebt mich! Sie liebt mich nicht! Sie liebt mich! Sie liebt mich nicht! usw. Ich möchte dieses Bild gern übertragen auf eine etwas andere Situation: auch in dieser steht so mancher da – nicht mehr als Bub, sondern als Älterer – rupft gleichsam imaginäre Blütenblätter und spricht bei sich die etwas anderen Worte: Sie gibt es noch! Sie gibt’s nicht mehr! Sie gibt es noch! Sie gibt’s nicht mehr! Und er meint damit – nein nicht die Kirchgemeinden, sondern – die Partnerschaften: die noch vorhandenen und die verloren gegangenen kirchgemeindlichen Partnerschaften. Sie gab es einmal zu hauf – damals vor längerer Zeit, als es in Sachsen noch keine Wölfe gab: die Partnerschaften zwischen Kirchgemeinden in Mitteldeutschland und Kirchgemeinden in Westdeutschland. Nicht selten waren jene dadurch gekennzeichnet, dass Bau- oder Arbeitsmaterialen überreicht wurden. Hin und wieder waren sie verbunden mit Besuchsreisen, die an Abenteuerurlaube denken ließen. Heute hat sich dieses Bild gewandelt. Viele der Partnerschaften gibt es nicht mehr, sie sind still eingeschlafen oder bewußt aufgegeben worden. Dafür besteht aber auch noch eine ganze Zahl an direkten häufig familären Verbindungen in fast all unseren Gemeinden – manchmal auch unter Einbeziehung der altgedienten Pfarrer und KirchvorsteherInnen im Ruhestand. Gerade in Dittersbach dürfen wir aktuell davon profitieren, da die Kirchgemeinde Osterholz-Scharmbeck uns bei den Kosten für die Renovierung der Kirche unterstützt. Aber auch in Schönau-Berzdorf konnten wir kürzlich liebe Gäste aus Celle-Großhehlen begrüßen. Um so schwerer wiegt es, und um so trauriger ist es wenn ein leidenschaftlicher „Kopf einer Partnerschaft“ stirbt, wie jetzt in Celle. Da wird spürbar, wie wichtig auch nach dem Mauerfall Beziehungen zwischen Kirchgemeinden im besonderen, aber auch zwischen Menschen im allgemeinen sind. Gleiches betrifft natürlich auch die Kommunen. Wir brauchen den Austausch – den Austausch darüber, wie mit Schwierigkeiten und Problemen umgegangen werden kann. Den Austausch darüber, wie vor Ort Leben sinnvoll gestaltet werden kann, den Austausch Dinge und Möglichkeiten, die hoffen lassen und Zuversicht bergen. Wir brauchen Leute, die miteinander etwas anfangen, mit Humor und Witz, Geist und Energie. Nicht überall, weil dies überfordert, sondern an einzelnen Punkten. Ich möchte dazu einladen, die noch bestehenden Partnerschaften mitzugestalten oder zu überlegen wo es sinnvoll ist neue Partnerschaften ins Leben zu rufen. Für uns Christen steht bei allem, was wir auflösen oder neu anfangen im Hintergrund immer die Gewißheit, dass wir in Gott einen wirklich verlässlichen Partner haben, ungleich stabiler als es je eine Versicherung oder eine Bank sein kann. ER, der über jedes Blütenblatt eines Gänseblümchen sanft streicht und sich uns bekennend sagt: Ich liebe Dich und Dich lieb ich auch und Dich ebenso und Dich und Dich und Dich und … Ihr Christoph Arnold, Pfr.