9/2012

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

In der Fremde daheim
„Schau mal, GR – das sind ja Görlitzer!“ und „Papa, was bedeutet eigentlich HST?“ oder auch „Fides, schau mal, dem Auto da mit ZI kannst du ruhig mal zuwinken“ – so ungefähr gestalteten sich manche Gespräche in unserer Familie, als wir diesen Sommer auf Rügen im Urlaub unterwegs waren. Autokennzeichen als Rätselaufgabe und auch als Verbindung in die Heimat. 600 km weg von der Heimat war es plötzlich irgendwie schön zu wissen, hier sind auch andere Leute aus der Oberlausitz. Unbekannte Menschen, aber in der Fremde verbindet diese gemeinsame Herkunft – erkennbar am Autokennzeichen – doch irgendwie. Schon erstaunlich, wie ein Autokennzeichen das eigene Lebensgefühl beeinflusst: Selbst erkennbar sein und auch andere erkennen. Was daheim noch nichts Besonderes ist, führt in der Ferne oder gar im Ausland zu Neugier, vielleicht sogar zu Gesprächen und Bekanntschaften. Vielleicht ist es einfach nur das Gefühl: Da in dem Auto ist jemand unterwegs, der die gleiche Landschaft kennt wie ich, der sich auch schon mal über das gleiche Landratsamt geärgert hat, der am gleichen Dialekt erkennbar ist wie ich selbst.
Öfter noch als Autos mit dem Kennzeichen GR oder ZI haben wir im Urlaub allerdings Autos gesehen, die einen Fisch-Aufkleber am Heck angebracht hatten. Und die mit diesem Aufkleber sichtbar machen: In diesem Auto sind Christen unterwegs. Menschen, die, wie ich, an Gottes Gegenwart glauben, Menschen, die die gleiche Bibel lesen wie ich und die von Jesus Christus so inspiriert sind, dass sie als seine Botschafter auch im Urlaub unterwegs sein wollen (der Fisch ist ein Geheimzeichen der Christen aus der Zeit der frühen Christenverfolgung).
Immer wenn ich so ein „Fisch-Auto“ gesehen habe, fühlte ich so eine innere Verbundenheit, hätte manchmal sogar gerne gewinkt, egal, ob das Auto nun GR oder K, ob SPN oder HB als Kennzeichen hatte. Durch den Fisch am Auto wurde mir deutlich: Als Christen sind wir auch in der Fremde daheim. Weil wir überall Menschen begegnen können, mit denen wir im gleichen Glauben verbunden sind.
Und als wir dann am Sonntag an einem Gottesdienst in einem kleinen Rügener Dorf teilnahmen, da trafen wir dort sogar Bekannte ganz aus unserer Nähe (Autokennzeichen GR und Fisch daneben) – Was für ein Geschenk, dass uns der Glaube an Jesus Christus auch in der Fremde eine gemeinsame Heimat ist.
Im Namen aller Mitarbeitenden grüßt Sie herzlich, Ihr Pfr. Thomas Markert