10/2013

Gemeindepädagogin Manuela Stöcker

Gemeindepädagogin Manuela Stöcker

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Fremd- 1.) fremdländisch 2.) fern stehend; nicht zur Familie gehörend 3.) ungewohnt, unbekannt, unvertraut (Quelle: Neues Deutsches Wörterbuch)

Fremd- Welche Bilder kommen Ihnen bei diesem Wort zuerst in den Kopf? Fremde Kulturen, Ausländische Mitbürger, neue Arbeitskollegen oder neue Mitschüler? Fremde Menschen sind alle, die mir nicht vertraut sind. Unvertrautes kann schnell Angst und Unsicherheit hervorrufen.
Kennen sie dieses Gefühl, misstrauisch gegenüber Fremden zu reagieren?
Mir ist es sehr vertraut und ich habe gelesen, dass das auch normal ist und eine gewisse Schutzfunktion hat. Ich muss mich erst vorsichtig herantasten und Unbekanntes erforschen.
Mit dieser Einstellung bin ich im letzten Schuljahr auch in meine Religionsklasse gegangen. Als Einheit hatte ich das Thema” Fremde” gewählt.
Als Reaktion kam aber nicht Interesse und Entdeckerlust, sondern sehr viele Vorurteile. Es fielen die Worte “Ausländer “, “Diebe” und besonders unsere osteuropäischen Nachbarn kamen dabei schlecht weg.
Ich frage mich, woher haben die Kinder diese Vorurteile? Hören sie zu Hause so viele negative Äußerungen? Vorurteile und Fremde- das scheint zusammen zu gehören. Warum ist das so?
Ich erkläre es mir so, dass sich dieses anfängliche Misstrauen gegenüber dem Fremden in Unsicherheit und Angst verwandelt. Es gibt Menschen, die sich lieber einigeln und zurückziehen, anstatt offen und interessiert auf “FREMDE” zuzugehen. Es entsteht eine Mauer im Kopf. Wir haben eine vorgefertigte Meinung von ihnen, obwohl wir sie gar nicht kennen. Diese fertigen Urteile sind Vorurteile.
Die Folge unserer Ablehnung ist, dass sich die uns fremden Menschen nicht angenommen fühlen und sich zurückziehen und einkapseln. Das wiederum macht sie noch verdächtiger und wir lehnen sie noch mehr ab. Eine Spirale der Ablehnung entsteht, die in Hass und Gewalt enden kann. Das können wir oft genug in den Medien hören und sehen. Wie können wir diese Spirale durchbrechen?
Es gibt einen wunderbar einfachen Weg, den Jesus uns gezeigt hat. Hier sehe ich eine große Chance für uns als Begleiter von Kindern. Denn die Kinder sind es, denen wir Wege zu Toleranz zeigen sollten. Jesus lebte uns vor, wie wir auf ausgegrenzte Menschen zugehen können.
Ein Text steht in Matthäus 15.21:
Eine nichtjüdische Frau bittet Jesus um Hilfe, weil ihre Tochter krank ist. Jesus reagiert zuerst nicht auf sie. Das interessante finde ich hier, auch Jesus reagiert nicht sofort offen und herzlich, wie ich eigentlich erwartet hätte. Er ist ein Mensch wie wir. Eine gewisses Misstrauen ist auch bei ihm zu spüren. Doch er belässt es nicht dabei. Er spricht mit ihr, wendet ihr also das Gesicht zu. Er erklärt ihr, dass er nur zur verlorenen Herde des Volkes Israel gesandt worden ist. Er möchte also eher auf Abstand zu ihr bleiben. Die Frau bittet verzweifelt weiter um Hilfe und Jesus geht auf sie ein. Er hilft einer Fremden. Er überwindet seine Vorurteile.
Er hat uns einen Satz gegeben, den wir auch als “Die goldene Regel” bezeichnen:”
“Behandelt euren Nächsten so wie ihr behandelt werden wollt”.
Wenn ich mir vorstelle, was ich mir wünschte, wenn ich in Not wäre, wären das ein Zufluchtsort und helfende Hände.
Es kostet Mut und Kraft sich Fremden zuzuwenden, aber Sie können es auch als Bereicherung erleben, wie eine Reise ins Unbekannte oder eine neue Musik, die wir plötzlich toll und spannend finden. Welche Schritte können sie sich vorstellen?
Viel Mut und Gottes Segen wünscht Ihnen Manuela Stöcker (Gemeindepädagogin)

 

 

 


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