2/2013

Pfarrerin Anke Arnold

Pfarrerin Anke Arnold

Tulpen im Februar
Es gibt sie wieder: blühende Tulpen. Eigentlich passt das gar nicht: Die Tulpe wartet doch auf die Frühlingssonne. Erst wenn es spürbar wärmer geworden ist, fängt sie an zu blühen. Zuerst spürt sie nur in ihrer Zwiebel, ob der Boden schon ein bisschen warm ist. Dann streckt sie ihren Stängel heraus und wächst in die Höhe. Aber die schöne bunte Blüte zeigt sich erst, wenn Ostern schon nahe ist. Natürlich können wir sie eher hervorlocken, wenn wir sie ins Warme holen, ins Zimmer oder ins Gewächshaus. Die Tulpe erzählt uns schon jetzt vom Frühling. Dabei ist es draußen bitter kalt. Alle Pflanzen und Bäume sind erstarrt vor Kälte. Ein Grashalm, der vom letzten Herbst übrigblieb, ist von eisigem Schnee bedeckt. Es ist noch Winter. Darum tut uns der Anblick der Tulpe so gut. Sie erzählt: „Der Frühling ist nicht mehr weit. Ihr seht ihn noch nicht. Aber ich blühe schon so, als sei er da.“ Ich schaue die Blume an und atme auf: Ja, bald kommt der Frühling. Die Tage werden wieder heller. Wir können wieder spazieren gehen und müssen uns nicht in dicke Mäntel hüllen. Bald wird es wieder wärmer, schöner. Wir Menschen brauchen Hoffnung, wenn uns unsere Tage und unsere Zukunft dunkel erscheinen. Wir brauchen die Hoffnung, dass sich das Dunkel wieder aufhellt. Wir brauchen die Hoffnung, dass wir wieder schöne Tage erleben, dass wir wieder Freundlichkeit erleben werden. Wir brauchen das Vertrauen, dass wir auch dann geliebt sind, wenn wir selber uns gar nicht so liebenswert vorkommen. Die Tulpe erzählt von der Hoffnung auf den Frühling. Und Gottes Wort erzählt von der Hoffnung, dass wir nicht vergessen sind. Im Psalm 37 heißt es: Sei stille im Herrn und hoffe auf ihn! Das heißt: Mache dir nicht so viele Sorgen. Sei ganz ruhig: Gott weiß, wie es dir geht. Du bist ihm wichtig. Sei stille im Herrn und hoffe auf ihn! Du musst dich nicht furchtbar aufregen. Manchmal passieren ärgerliche Sachen, und manchmal sind andere Leute unfreundlich zu einem. Doch Gott hält zu dir, weil du ihm vertraust und auf ihn hoffst. Gott wird für dich sorgen. Sei stille im Herrn und hoffe auf ihn! So wie es nach dem Winter wieder Frühling wird, so schickt Gott uns auch wieder schöne Tage und glückliche Stunden. So wie die Tulpe unser Herz und unsere Augen erfreut, so wird uns auch Gott wieder erfreuen. Sei stille im Herrn und hoffe auf ihn! Du kannst dich ganz still in Gottes Liebe betten wie ein kleines Kind in die Arme der Mutter. Gott will dich trösten. Er macht deine Seele ruhig und geborgen. Wir dürfen immer wieder hoffen. Und die Hoffnung lässt unser Herz leuchten, wie die Tulpen unsere Wohnzimmer erleuchten.
In Vorfreude auf den Frühling grüßt Sie herzlich, Ihre Pfarrerin Anke Arnold


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