3/2013

Pfarrer Thomas Markert

Pfarrer Thomas Markert

Ein Ökumenisches Winken
Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist er wahrscheinlich schon nicht mehr im Amt, der Papst. Ob die Bildzeitung an diesem Tag titeln wird: „Wir sind nicht mehr Papst“? Sowas verkauft sich eher schlecht als Schlagzeile. Es wird auf jeden Fall einige Tage lang Bilanz gezogen über die Amts-zeit, das Pontifikat, von Papst Benedikt, der nun wieder zu Joseph Ratzinger wird. Man hat ihn den theologischen Papst genannt, denn er hat stärker als seine Vorgänger als wissenschaftlicher Theologe Akzente gesetzt mit aufsehenerregenden Reden, auch z.B. mit seinem Jesusbuch. Während seiner Amtszeit hat die Katholische Kirche aber auch schwere Zeiten erleben müssen, gerade in Deutschland und Europa. Der Missbrauchsskandal hat nicht nur der Katholische Kir-che einen großen Vertrauensverlust eingetragen, der sich auch in einem verstärkten Mitglieder-verlust bemerkbar gemacht hat. Für viele Beobachter hat Papst Benedikt in dieser Situation zwar wichtige Worte und Zeichen gesetzt und doch ist er der eigentlichen Herausforderung aus-gewichen, einem Problem, dass seine gesamte Amtszeit letztlich wie ein roter Faden durchzieht: Die Sehnsucht nach einem Glauben, der mehr in die Vergangenheit schaut als nach vorn, die Orientierung an einem Kirchenbild, dass mehr in Erinnerungen lebt, als sich den Herausfor-derungen des Heute mit Offenheit und jeder Menge Gottvertrauen zu stellen. Der Papstbesuch in Deutschland vor zwei Jahren war für mich in dieser Hinsicht wirklich sehr enttäuschend, das gebe ich offen zu. Aber indem ich das schreibe, höre ich sofort die Frage in mir: Ja Thomas, wie ist das denn eigentlich bei dir und bei deiner Evangelischen Kirche? Da ist auch nicht alles Gold was glänzt, und überhaupt glänzt da sowieso gar nicht viel. Und ist es nicht viel einfacher, als kleiner Landpfarrer in der Oberlausitz ein paar altkluge Weisheiten abzusondern, als eine Weltkirche zu führen und dann noch in jeder Situation die richtigen Worte für Millionen finden zu müssen? Ich stehe dazu, dass ich Papst Benedikts Wirken insgesamt eher kritisch sehe, mit kritischer Sympathie, bei der die Kritik mit den Jahren immer stärker geworden ist. Zugleich aber möchte ich ihn dennoch in seiner Weise, Jesus nachzufolgen und der Sache Gottes dienen zu wollen, ganz ernst nehmen und würdigen. Jesus nennt uns, die wir an ihn glauben, seine Brüder und Schwestern, und Gott nennt er unser aller Vater. Und mit diesem Glauben möchte ich Papst Benedikt auch verabschieden: als Bruder Benedikt, als einen, der wie ich, wenn auch in einer anderen Kirche und mitunter deutlich anders als ich, dennoch an den gleichen Heiland und Erlöser der Welt glaubt, an Jesus Christus. Und der den gleichen Vater im Himmel hat wie ich. Gott ist weder evangelisch noch katholisch, und er ist weder konservativ noch modern. Gott ist Gott. Und in IHM sind und bleiben wir als – unterschiedliche – Christen verbunden.
Es grüßt Sie im Namen aller Mitarbeitenden Ihr Pfr. Thomas Markert

 

 

 


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