4/2013

Pfarrerin Dorothee Markert

Pfarrerin Dorothee Markert

Maifeuer oder Hexenbrennen?

Liebe Leserinnen und Leser!
Den ganzen April hindurch wird fleißig gesammelt. Obstbaumverschnitt, knorrige, abgebrochene Äste und Reisig werden auf große Haufen gestapelt. Da fällt einiges an – und der Holzstoß wird groß. Am 30. April ist es dann soweit. Feuer! Mindestens ein Feuer hat jeder Ort in unserer Umgebung zu bieten. Für andere wird noch eine Strohpuppe mit Lumpen bekleidet und oben aufgesetzt. Es soll ein heißer und feucht-fröhlicher Abend werden. Meist wird „Hexenbrennen“ oder „Hexenfeuer“ dazu gesagt. Dieser Ausdruck ärgert mich und macht mich nachdenklich.
Hexenverfolgungen gab es genug – vom Mittelalter an bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts! Eine lange Zeit, die besonders für viele Frauen in Europa tödlich endete: auf einem Scheiterhaufen. Es waren oft Frauen, die sich mit Heilkräutern und auf medizinischem Gebiet gut auskannten. Sie wussten, dass gegen manche Krankheit manches Kraut gewachsen war. Sie hatten Wissen, dass sich ihre Mitmenschen damals nicht erklären konnten. Aus Ehrfurcht (Achtung, Respekt) wurde Furcht. Man machte einen Bogen um sie und ihre Häuser. So mussten sie oft allein zurechtkommen. Man dichtete ihnen magische Kräfte an, und weil sie oft auch nicht verheiratet waren, mussten sie doch „mit dem Teufel im Bunde stehen“, sagten die Leute, denn … was macht so eine Hexe denn sonst in der Nacht? Sie lebten anders, selbstbestimmt – und waren damit den anderen ein Dorn im Auge. Und während die „Hexen“-Frau aus Kräutern eine Salbe kochte, kochte im Ort die Gerüchteküche. Traf diesen Ort eine Seuche, die viele Tiere hinraffte, oder ein Unwetter, das die Ernte vernichtete, war schnell eine Schuldige gefunden. Die Hexenverfolgung war ein schlimmer Auswuchs des Volksglaubens. Dann wurde ein Holzstoß zusammengetragen – und der vermeintlichen Hexe der (oder eben kein) Prozess gemacht. Hexenfeuer brannten – und es waren nicht wenige! Leider! Genau aus diesem Grund kann ich nicht fröhlich bei einem Hexenfeuer stehen. Warum sagen wir nicht „Maifeuer“ dazu? Maifeuer, die Wärme auflodern lassen in der Hoffnung, dass es zu einer guten menschlichen Wärme unter uns allen führt. Ein Liebesfeuer – in den Wonnemonat Mai hinein.
Im Namen aller Mitarbeitenden und Kirchenvorstände grüßt Sie herzlich Ihre Dorothee Markert.

 

 

 


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