5/2013

Pfarrer Christoph Arnold

Pfarrer Christoph Arnold

Haben sie schon mal zwischen den Stühlen gesessen? Oder sind sie gar schon mal zwischen die Fronten geraten? Nein – dann dürfen Sie sich wirklich zu den Glücklichen zählen. Falls nicht – falls Sie also diese Fragen mit Ja beantworten, dann können Sie sicherlich sehr gut nachvollziehen, dass dies eine äußerst bescheidene Situation ist, in der man sich da befindet – so zwischen den Stühlen bzw. zwischen den Fronten. Wer dieser Tage ein wenig die Nachrichten verfolgt, dem dürfte der Prozess um Lothar König in Dresden nicht entgangen sein. Lothar König ist Pfarrer – Seelsorger hauptsächlich für junge Leute. Und er ist Stadtrat in Jena – engagiert sich also politisch, tritt für die Belange der Bewohner ein. Er, der als Schüler die Leitfigur des Prager Frühlings Alexander Dubcek bewundert hat, hat sich selbst vor gut zwei Jahren in Dresden gegen die Aufmärsche von Leuten mit einem rechtsextremen Gedankengut gewandt. Weil es dabei zu Gewalt gekommen ist und weil er als einer der Köpfe ausgemacht werden konnte, sitzt er nun zwischen den Stühlen bzw. kämpft er nun zwischen den Fronten – um sein Image. Die einen sehen ihn als wichtigen Mahner und Agitator gegen ein zunehmend rechtes Denken und Fühlen in vielen deutschen Köpfen und Herzen, die andern begreifen ihn als „Aufwiegler“ und „Landfriedensbrecher“, der die Grenzen des friedlichen Miteinanders in unserer Gesellschaft überschritten hat. Sicher finde ich mich eher bei den ersteren wieder. Wichtiger aber als der Protest gegenüber intoleranten, überheblichen Leuten aus der rechten Szene, erscheint mir etwas anderes: nämlich das Eintreten für diejenigen, die durch eine jedwede extreme Denkweise und Lebensart gefährdet sind. Weil sie ausgeschlossen, an den Rand gedrängt werden, weil sie klein und unwichtig gemacht, manchmal sogar als lebensunwert verunglimpft werden. Indirekt oder direkt hat Lothar König durch seine Aktion für diese Leute seine Stimme erhoben. Für die Menschen mit Handicap, die Tag um Tag tapfer mit ihren Einschränkungen leben, manchmal auch gegen sie ankämpfen. Für die Menschen, die nicht mehr gebraucht werden, weil sie zu alt geworden und nicht mehr produktiv genug sind. Für die Menschen, die nicht keine deutschen Wurzeln haben, die aber trotzdem in unserem Land zu Hause sind und unsere Gesellschaft befruchten. Für die Menschen, die im Leben schuldig oder schuldlos gescheitert sind und die nun als „Penner“ unterwegs sind. Für die Menschen … – es ließen sich noch viele aufzählen. Für alle diese tritt ein, wer gegen ein extremes und andere ausschließendes Denken protestiert und wer der Liebe Gottes in seinen Worten und Taten einen Platz einräumt. Wer, um es wie der weise Salomo zu sagen, für die Stummen den Mund auftut und für die Sache aller, die verlassen sind, eintritt. Das finde ich, ist dringend notwendig und angebracht, auch wenn es zwischen die Stühle und zwischen die Fronten führt. Wir vergeben uns etwas, wenn wir es nicht tun. Ich möchte sie ermuntern – am Beginn dieses Wonnemonats Mai. Erheben auch Sie ihre Stimme für die Stummen und die Sache aller, die verlassen sind. Vielleicht auch durch ihre Fürbitte, vielleicht auch im September bei der Wahl, vielleicht auch in ihrem „ganz normalen Alltag“ … Ihr Christoph Arnold, Pfr

 

 

 


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